Digitale Augenoptik

Die Welt wird digital. Wow – das haben jetzt, mal wieder, die beiden grossen Glashersteller Europas erkannt. Noch besser – beide haben umfangreiche Studien, die natürlich nicht zur Verfügung stehen (klar Firmengeheimnis), gemacht. Was haben sie unabhängig, naja ok nach einander erkannt?

Menschen schauen heute mehr den je auf ihr Smartphone. Diesen Eindruck habe ich schon einige Jahre wenn ich am Morgen mit der Bahn zur Arbeit fahre. Leider hat mich aber keiner der Glashersteller angerufen, vermutlich hätte jeder von uns das auch erkannt und sich gerne die Euros eingesteckt, die jetzt für unveröffentlichte Studien ausgegeben wurden.

Also was ist die Lösung: Die Brillengläser werden bei dem einen jetzt buddhistisch und nennen sich Zen, die Anderen lassen ihre Brillengläser smarter werden. Der Vorteil der Kunden ist in der You-Tube-Werbung sofort ersichtlich. Aber was taugt eigentlich die ständige Anpassung der Brillengläser an unsere aktuelle digitale Welt. Nach mir ist das technisch eine wunderbare Möglichkeit entstanden Brillen besser und personalisierter zu schleifen, allerdings werden die meisten Kunden diesen Unterschied gar nicht wahrnehmen. Viel schlimmer, es wird zu mehr Reklamationen kommen (müssen), weil die Gläser eine viel sensiblere Anpassung haben. Für das Internet sind sie daher untauglich und dienen zur klaren Differenzierung zum Online-Handel. Dort im Online-System werden Brillengläser einfacherer Geometrie angeboten, weil diese mehr Fehler in der Anfertigung verzeihen. Die neuen Gläser sind hoch empfindlich und fordern den Optiker heraus. Allerdings vermute ich werden einige Optiker darüber stolpern und diese Gläser dann nicht weiter anbieten.

NEU: Einstärkengläser werden im Premiumsegment zukünftig nicht mehr nur für die Ferne optimiert, sondern erhalten auch eine Blickrichtungsoptimierung für die Konvergenz. Diese Gläser werden daher zum lesen eine Abbildungsfehler-optimierte-Geometrie aufweisen. Aber das wird auch bisher noch nicht bekannte Probleme verursachen. Menschen mit Problemen der Binokularität werden diese Gläser nicht vertragen, zudem zerstören wir die pheriphere Wahrnehmung des Kunden. Diese ist aber zwingend zur Orientierung erforderlich. Auch NEU: werden vermehrt Brillengläser mit einer Addition (Wellness-Glas, siehe Blog zuvor) verkauft. Diese sind aber vermutlich nur für 5-10% der Menschen überhaupt ein Vorteil, für die meisten wird es überflüssig sein und einige Wenige sogar schädlich. Das ermitteln die Optometristen aber sehr selten.

NEU: Auch das Gleitsichtglas wird in der Nähe besser, aber nicht ohne die Ferne zu verschlechtern. Alle noch so freundlichen Versuche der Industrie das mit netten Worten schön zu reden wird das am Ende nicht verheimlichen können.

Also Fluch oder Segen? Nur gut ausgebildete Optometristen sollten derartige Produkte anbieten dürfen, das ist meine Meinung. Für die breite Masse sind diese Gläser nicht nötig.

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