Augenheilkunde

Im Allgemeinen ist mit der Augenheilkunde der Augenarzt gemeint. Allerdings kann die Art und Weise der Heilkunde unterschiedlich aus-sehen. Es gibt Arztzentren, die vollgestopft sind mit allerlei technischen Geräten, die das Auge ausmessen können und es gibt Ärzte, die sich die Mühe machen, den Patienten näher kennenzulernen. Ich bevorzuge in jedem Fall die Letzteren.

Augenärzte machen heutzutage ein gewaltiges Business mit Augenoperationen, ob das nun Laserchirurgie ist, um die Sehstärke zu be-handeln oder Kataraktoperationen und die graue Linse zu tauschen. Da gibt es vielfältige Möglichkeiten. Am meisten verdient ein Arzt, immer dann, wenn der Patient krank ist. Gesunde kommen ja vermutlich erst gar nicht in die Praxis.

Der Augenarzt ist zweifelsfrei der Experte bei pathologischen Pro-blemen. Dazu zählt nach der WHO sogar die Kurzsichtigkeit ab 5.0dpt (neuerdings wird die Augenlänge dazu genommen, 26,5mm sind normal). Allerdings messen Optometristen auch jenseits dieser Sehstärke Brillen und passen Kontaktlinsen an. Die Augenlänge können dabei die Wenigsten überhaupt ausmessen.

Was kann der Arzt vielleicht noch zusätzlich machen? Nun ja er würde den Augenhintergrund, die Netzhaut anschauen. Das können viele Augenoptiker aber auch schon, allerdings würden sie vermutlich eine pathologische Veränderung nicht so gut erkennen wie ein trainierter Augenarzt. Daher ist für mich ein Augenarzt in DACH zur Vorsorge unab-dingbar. In vielen anderen Ländern übernimmt bereits der Optometrist auch im gesundheitlichen Spektrum die seriöse Überprüfung der Augen. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl technischer Hilfs-geräte die eine eigenständige Auswertung erlauben, solche finden sich gelegent-lich auch beim Optiker in Deutschland. Das ersetzt aber keine medizi-nische Untersuchung. Daher ist es für mich nur Spielzeug, das sich einige Augenoptiker anschaffen. Für die Regionen dieser Welt, in denen die Versorgung mit Medizin sehr schwierig ist, hat sich eine neue Idee entwickelt. Hilfspersonal kann mit einem spezialisierten Handy die Augen fotografieren und das Bild wird online von einem Arzt bewertet. Bis die Bewertung von einem Computer übernommen wird, dauert es sicherlich noch ein paar Jahre, aber ich denke das wird kommen. Aber auch hier gilt es dann einen echten Augenarzt aufzusuchen und die Diagnose bestätigen zu lassen. Es handelt sich also nur um Screening-Geräte. 

Der Augenarzt arbeitet mit vielen Tests zur Augenüberprüfung, die wir auch in der Optometrie finden. Die orientierende Motilitätsprüfung findet sich in der ein oder anderen Form bei beiden Berufsgruppen. Der Arzt nutzt zudem häufiger ein Lichtreflex (Hirschberg-Test), da er mit Kindern arbeitet, während der Optometrist den Kunden fragen kann, da dieser ja meist alt genug ist.

Der Brückner-Test ist vermutlich eher beim Augenarzt vorzufinden, ob-wohl er ungemein einfach in der Anwendung ist. Es gibt Bemühungen diesen Test als Standard beim Kinderarzt einzuführen und es wäre schlau das zu machen, sind die meisten Kinder ja doch regelmässig zu den Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen beim Kinderarzt und eigentlich nie beim Augenarzt. Nach meinen Informationen ist das in Deutschland bereits Vorschrift bei den U-Untersuchungen während es in der Schweiz keine Regelung dazu gibt. Der Test wird mit einem Oph-thalmoskop gemacht und der Untersucher achtet auf die Lichtreflexe der Netzhaut, beide sollten rechts und links gleich sein, ist das nicht der Fall, braucht es dringend eine medizinische Untersuchung.

Der Arzt arbeitet auch mit dem Abdecktest, wie die Optiker. Er ver-wendet oft für Prismen den Schober-Test und arbeitet mit dem Maddox-Kreuz. Diese beiden werden wir vermutlich in der deutsch-sprachigen Augenoptik sehr selten finden, dort hat man sich für die MKH (Mess- und Korrektionsmethode nach Haase) entschieden. Beide Methoden kommen oftmals zu signifikanten Unterschieden. Nicht nur, dass es in der Grösse der Korrektion Abweichungen gibt, Nein, auch in deren Richtung. Diese grossen Unterschiede bringen beide Berufs-gruppen dazu, sich immer wieder über die Richtigkeit der Untersuchung und Messung zu streiten. Eine wissenschaftliche Lösung ist bisher nicht in Sicht.

Gefühlt gibt der Erfolg beiden Parteien recht, was aber eigentlich dazu führen sollte, dass man sich einmal genau überlegt, was hier los ist. Die menschlichen Augen und die von Kindern im Besonderen scheinen so etwas unglaublich kompliziertes zu sein, dass es noch keine wissen-schaftliche beweisbare Technik gibt, um diese seriös auszumessen. Trotzdem streiten die schlauen Köpfe dieser beiden Zünfte immer wieder gerne darüber. In anderen Ländern, gibt es nicht nur andere Sitten, sondern auch andere Augenoptik und Ophthalmologie. Im Hinblick auf das Dilemma wäre es grossartig, würde man sich diese einmal näher und offen betrachten. Ich denke nicht, dass man dort den Stein der Weisen bereits gefunden hat, aber es würde vielleicht helfen, die eigenen Positionen mal etwas besser auszurichten und kann vielleicht dazu führen, das System zu optimieren.

Leidtragende dieser berufspolitischen Debatte sind zu 100% die Kunden, denn sie werden zwischen dem Optiker und Augenarzt hin- und hergerissen. Das darf weder vom Arzt noch vom Optiker der gewünschte Weg sein.

Der Augenarzt nutzt darüber hinaus gelegentlich spezielle Übungsbehandlungen. In der Pleoptik werden zum Beispiel amblyope Augen therapiert. Das kann durch abkleben oder durch Übungen an Geräten erfolgen. Für das Entwickeln des stereoskopischen Sehens hat der Augenarzt früher auch mal mit einem Synoptophor gearbeitet. Einem sehr speziellen Gerät das auch heute noch, oftmals von Orthoptisten, benutzt wird. Ich kenne viele Optiker, Optometristen und Augenärzte, die solche Sehschulen und Übungen für unwissenschaft-lichen Unsinn halten. Natürlich nicht alle, aber viele. Hier gibt es noch viel Arbeit für die Forschung und die Berufsverbände, um ein besseres Gleichgewicht zu erreichen. 

Ein wichtiger Auftrag für den Augenarzt ist die Behandlung von Krankheiten. Ein sehr häufiges Problem sind trockene Augen bis hin zu sehr trockenen Augen. Der Arzt nennt das manchmal dann Kerato-conjunctivitis sicca, oder je nach Ausprägung auch anders. Dafür ist eine Vielzahl von Punkten verantwortlich. Neben biologischen Voraus-setzungen und der Umwelt sind oftmals auch Medikamente verant-wortlich.

Einige dieser Produktfamilien stehen im Verdacht, für sehr trockene Augen ursächlich zu sein: Analgetikum, Antiarrhytmika, Antihistaminika, Antihypertensiva, Psychopharmaka des Weiteren auch Konservierungs-mittel wie Benzalkoniumchlorid.

Ein weiterer Effekt dieses Konservierungsmittels ist eine toxische Reaktion der Hornhaut. In den Kontaktlinsenpflegemitteln sind oftmals unterschiedliche Konservierungsmittel enthalten, allerdings sind die Konzentrationen meist unterhalb der Grenzwerte. Es gibt aber mittler-weile sehr starke Vermutungen das auch Pflegemittel für Kontaktlinsen und Augentropfen die Konservierungsmittel enthalten langfristig ein trockeneres Auge fördern. Es ist also sicherlich eine gute Entscheidung, darauf zu verzichten. Das spricht eindeutig dafür, Kontaktlinsen nur bei einem Experten zu kaufen und zu kontrollieren. Dieser kann Produkte ohne Konservierung auswählen und empfehlen.  

Das trockene Auge ist für die Betroffenen ein schweres Leiden und Bedarf immer einer ärztlichen Betreuung. Alle präventiven Mass-nahmen, um ein Entstehen zu verhindern, sind sinnvoll.

Eine weitere sehr tückische Krankheit ist die Degeneration unserer Netzhaut. Wenn diese dem Alter des Patienten geschuldet ist, spricht man auch gerne von der altersbedingten Macula Degeneration oder kurz AMD. Die verbreitet sich in ihren unterschiedlichen Ausprägungen immer stärker. Die Ursachen dafür sind vielfältig, die Behandlungen leider nicht. Hier wird geforscht, was das Zeug hält. Sicherlich, weil damit in Zukunft ein Vermögen verdient werden kann. Da die Ursachen zudem so individuell und mannigfaltig sind, ist eine Prävention schwieriger zu verkaufen als eine Therapie.

Optometristen neigen dazu, den Augenärzten immer wieder mangelnde Refraktionskenntnisse vorzuwerfen. In Deutschland refraktionieren Optiker meist nach einem zwei- bis viertägigem Grundkurs eigenständig. Die wenigsten sind Augenoptikermeister, die etwa ein halbes Jahr dafür studieren. Danach sind alle auf sich alleine gestellt. Die wenigsten bilden sich weiter.

Auch der Augenarzt erlernt das Messen der Sehstärke in Refraktions-kursen, allerdings kann er auch einordnen, welcher morphologische Befund vorliegt und welche Allgemeinkrankheiten und Medikamenten-therapien Auswirkungen auf das Ergebnis haben können. Der Mediziner muss sich ständig weiterbilden und Punkte sammeln auf Kongressen und wird durch Supervision und Kontrollen immer besser. Mir liegen Zahlen vor, dass beide Berufszweige ein ähnliches Fehlrefraktions-ergebnis haben. Ich kann also beim besten Willen nicht verstehen, warum bis heute Augenoptiker behaupten, dass Augenärzte nicht messen können.

Ergänzung

Der Augenarzt ist seit Jahren der ausgewiesene Profi in Deutschland und der Schweiz für die Entwicklung der Augen.

So gehören Babys bereits mit 6 Monaten das erste Mal in eine Routine-kontrolle, ein weiteres mal mit 3 Jahren. Im Rahmen des Myopie-Management gehört es nach heutigen Standards dazu die Augenlänge zu messen. Diese Geräte finden sich auch bei einem Augenoptiker wieder, nicht bei vielen, aber bei einigen. Allerdings auch selten beim Augenarzt. Dazu müsst ihr schon eine Weile suchen.

Der Augenoptiker kann in einem ausgelagerten Screening die Augen messen und eine Schätzung abgeben. Eine Therapie mit Brillen oder Kontaktlinsen muss aber immer mit dem Augenarzt erfolgen. Zudem ist es aktuell am erfolgreichsten wenn zusätzlich zur optischen Therapie eine medizinische mit Augentropfen stattfindet. Myopie-Management gehört nach meiner Meinung in die Hände der Augenärzte und Orthoptisten. Der Augenoptiker kann gelegentlich als ausführende Institution  die Versorgung unter Aufsicht der Therapeuten durchführen. Diese scheinbare Abwertung zum ausführenden Handwerker empfinden mittlerweile einige Optometristen als unhaltbar. Es bleibt aber festzustellen das ein Handwerker etwas wertvolles und grundsolides ist, auf das man stolz sein darf.

Berufspolitische Kämpfe ohne Rücksicht auf den Kunden sind kein Zeichen für ein gutes Dienstleistungsverständnis.

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