Digitale Medien und das blaue Licht

Alles entwickelt sich ständig weiter. Man darf vermuten, dass es ein Teil unserer beruflichen Aufgabe ist, sich dieser Herausforderung zu stellen und am Ball zu bleiben. Dazu würde ich empfehlen, den Blick auch rechts und links der Kernkompetenz zu haben.

Vermutlich haben sich viele Augenoptiker, als das Themas blaues Licht aufkam, kurz damit beschäftigt, dann aber die gebildete Meinung stabi-lisiert. Die Wahrheit zu diesem Themengebiet ist, glaube ich, aktuell den wenigsten bewusst. Wenn es denn wirklich eine gibt.

„… Vor etwa 10000 Jahren haben wir Menschen damit begonnen, zivilisiert zu leben. Heute werden wir nicht mehr von der Sonne geweckt, sondern vom Smartphone. Wir gehen ins Bad, wo wir uns mit warmem Wasser waschen und frühstücken in angenehm klimatisierten Räumen Lebensmittel, die weit entfernt produziert und aufbereitet wurden…..“ (aus Manfred Spitzer, Cyberkrank).

Blaulichtschäden werden bereits seit den 60er Jahren diskutiert.

Lipoduscin ist ein normales Stoffwechselprodukt, ein Abfall im Sehvor-gang. Liegt zu viel davon rum, kann ein Teil des blauen Lichtes auch als freies Radikal bezeichnet sich ein Elektron klauen und verhindert damit den Abtransport des Abfalls. Eine ausreichende Menge an Antioxidan-tien wäre in der Lage das zu verhindern.

Die Annehmlichkeiten unserer Lebensbedingungen sind der Erfolg der Zivilisation und liegen auf der Hand. Ihre Nebenwirkungen sind weitaus schwieriger zu (er)fassen. Denn negative Auswirkungen entfalten sich nicht unmittelbar, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg.

Das Smartphone wird nicht mehr nur von Jugendlichen benutzt, son-dern mittlerweile auch von Kindern unter zehn Jahren. Im Jahr 2010 hatten 47% aller 12- bis 19-Jährigen ein Smartphone benutzt, 2012 waren es schon 72%.

Das ist aber noch harmlos: In Südkorea kommen auf 100 Einwohner 104,2 WLAN Netzwerke, das Land ist vollständig abgedeckt. Die mög-lichen gesellschaftlichen Auswirkungen lassen sich in einem extremen und überspitzten Ansatz in Georg Orwells „1984“ nachlesen.

Sinnvoll eingesetzt kann uns digitale Informationstechnik sicherlich das Leben erleichtern und im extremen Fall vielleicht sogar Krankheiten verhindern oder Leben retten. Es liegt vermutlich, wie immer, am Benutzer einen Nutzen zu erlangen. Schon vor der Geburt verarbeitet unser Gehirn sinnliche Eindrücke, zumindest gibt es erstaunlich viele Experimente, die dies belegen. Wie kein anderes Organ ist es biologisch dafür ausgelegt, durch die Umwelt programmierbar zu sein. Damit ist das Gehirn eines Erwachsenen grundsätzlich das Produkt von Genen (also Menge der „grauen“ Zellen und Geschwindigkeit der Verarbeitung) und der Umwelt (alles andere).

Ein wesentlicher Bestandteil unseres Zusammenlebens ist die Kommunikation. Sprache wird am besten im Umgang mit Erwachsenen erlernt. Wir kopieren am Anfang das, was wir hören und sehen.

Wird die Entwicklung der Sprache im Gehirn betrachtet, müssen digitale Medien zur Unterstützung der kindlichen Frühentwicklung scheinbar als unzureichend bewertet werden.

Ist die Sprache soweit verankert, dass Schrift lesbar und verstanden werden kann, liefern uns Papierbücher und E-Books eine grosse Auswahl an Inhalten zum Lesen. Studien in den USA lassen vermuten, dass beim oberflächlichen Lesen (serious reading) kein Unterschied zwischen den Medien besteht. Beim tiefen Verständnis (deep reading) verleitet der Bildschirm jedoch zum Überfliegen und damit ist das klassische Buch zum Lernen besser geeignet.

Ein Tablet für Babys scheint daher völlig sinnlos. „Intelligenz braucht Finger“ titelt die Zürcher Zeitung schon vor einigen Jahren in dem Artikel „über die Haptik des Schreibens und das Schicksal des Körpers im digitalen Zeitalter“. Es kommt vermutlich nicht von ungefähr das Babys und Kinder alles in den Mund nehmen, um zu lernen.

Einige Gehirnfunktionen zeigen direkt nach der Geburt eine abnehmende Lernfähigkeit.

Die Basis des Sehens ist vermutlich mit etwa 5 Jahren abgeschlossen. Kinder mit einer Fehlsichtigkeit sollten daher nicht ihrer spontanen Entwicklung überlassen werden, sonst kann es zu binokularen Auffälligkeiten kommen, die nicht mehr oder nur sehr mühsam zufriedenstellend behoben werden können. Das Sehen selbst entwickelt sich bei Kindern etwas bis hin zum zwölften Lebensjahr und ist vermutlich erst mit 30 vollständig abgeschlossen. Dann allerdings befinden wir uns schon in der Degeneration des Systems, das alle 10 Jahre etwa 10% an Leistung verliert.

Ein flaches Objekt ohne Struktur mit räumlichen Bildern (Tablet, Smartphone) ist untauglich, die Entwicklung von binokularem Sehen zu unterstützen. Trotz dieser Erkenntnisse starten in Südkorea viele Erstklässler mit einem iPad, statt Papier und Füller zu verwenden. In den Niederlanden gibt es einige sogenannte Steve-Jobs-Klassen, die ausschliesslich digital unterrichtet werden. Herr Jobs selbst hat seinen Kindern das iPad verboten, weil er es für Kinder als ungünstig ansah.

In der Schweiz wird mit dem Lehrplan21 einerseits in allen Kantonen der gleiche Lehrplan bis 2021 integrieren, zum anderen alle Schulen digitalisiert. Dann haben alle Kinder in der Grundschule ein Tablet per gesetzlicher Verordnung. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bun-destages hat bereits 2011 empfohlen, möglichst schnell alle Schulen mit Tablets zu versorgen.

In unserer modernen Gesellschaft machen wir die Nacht zum Tag; wir arbeiten mehr, haben zugleich aber auch mehr freie Zeit. Die durch-schnittliche Schlafdauer in den westlichen Ländern ist von acht Stunden in den 1960ern auf etwa 6,5 Stunden im Jahr 2012 gesunken. Viele Eltern wissen, dass ihre schulpflichtigen Kinder im Laufe der Woche ein Schlafdefizit ansammeln und an den Wochenenden zum Ausgleich sehr lange schlafen. Zum Lernerfolg, ist es in allen Bereichen zwingend erfor-derlich, ausreichend zu schlafen.

Neben zu vielen Aufgaben im Leben sind auch digitale Medien dafür verantwortlich, dass wir weniger schlafen. Die Frage nach den Mechanismen und den Auswirkungen ist bislang noch nicht endgültig geklärt.

Es werden in der zuständigen Literatur vier Gründe diskutiert:

Verdrängung:                         digitale Medien „stehlen“ uns Zeit

Stimulation:                           hält uns vom Schlaf ab

Muskelverspannung:             ungünstige Kopf- und Körperhaltung

Blaues Licht:                          Störung des zirkadianen Rhythmus 

Die Vermutung konkretisiert sich immer mehr, dass es hier um ver-schiedene Mechanismen geht, die sich in ihrer Wirkung addieren können.

Die Auswirkungen von Licht auf unsere innere Uhr sind gut untersucht.

Im Normalfall wird nachts Melatonin freigesetzt, was die innere Uhr etwas vorstellt, sodass sie am nächsten Morgen wieder synchron mit der Sonne läuft.Licht am Abend hat den gegenteiligen Effekt: Es unterdrückt die körpereigene abendliche Freisetzung und bewirkt so, dass die innere Uhr am anderen Morgen nachgeht. Dabei muss das abendliche Licht nicht einmal besonders hell sein. Blaues Licht (450nm) hat dabei den grössten Effekt.

Das Licht der LED-Bildschirme entspricht nicht dem „natürlichen Licht“, sondern enthält vergleichsweise einen sehr hohen Blaulichtanteil.

Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness

DeviceSize, inIrradiance, W/m2Spectral peak, nm
bookNA3.23 x 10-3612
iPhone3.52,50 x 10-2452
Kindle, monochrome63.84 x 10-3612
Kindle Fire74.31 x10-2448

Tabelle von Chang et al. 10.1073/pnas.1418490112

Die Tabelle zeigt deutlich, dass LED-Bildschirme einen hohen Blaulichtanteil bei ca. 450nm haben. Buch und Kindle (E-Book ohne Farbe) haben die gleiche maximale Spitze bei 612nm und sind damit für die Melatonin-Produktion nicht relevant. Alle bunten Bildschirme stören scheinbar den Schlafrhythmus. Ein IPad sogar 6x stärker als das iPhone.

Wir wissen heute, dass der Schlaf bei Lern- und Gedächtnisprozessen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter eine grosse Rolle spielt.

Nach einer Studievon Woods ist es wahrscheinlich, dass blaues Licht einen gestörten Schlaf bewirkt. Es führt zu höherer Wachheit vor dem Schlafengehen und verschiebt den Tag-Nacht-Rhythmus, sodass man am nächsten Tag besonders schläfrig ist. Weitere in vitro Studien von der Firma Essilor lassen einen Einfluss auf die Gesundheit vermuten; ein Beweis am lebenden Organismus steht noch aus. Nach einigen Studien ist 435nm (415-455) besonders gesundheitsschädlich und 460nm (465-495) für den Biorhythmus am wichtigsten.

Untersuchungen mit Brillen und einem Blue Blocker 100% (Orangefilter) zeigen eine deutliche Verbesserung.Damit haben vermutlich Brillen mit reduziertem blauem Licht eine Steigerung des körperlichen Wohl-befindens, der visuellen Leistung und der Schlaflatenz zur Folge. Eine Kontraststeigerung der Umwelt bei reduziertem blauem Licht entsteht durch die geringere chromatische Aberration.

Künstliche Beleuchtungen in unserem Alltag

Autos sind aktuell mit Halogenlampen, Xenon und LED-Lichtern unter-wegs. Im Jahr 2008 waren laut DAT -Bericht 15% aller Autos mit Xenon unterwegs, dieses Licht ist bläulicher als Halogenlampen.

Damals wurden besonders Ober-klasse-PW mit Xenon versorgt.

Das moderne Xenon-Licht (5000 Kelvin) hat ein sehr gleichmässiges Lichtspektrum, findet sein Maximum aber im bläulichen Bereich (hier bei 475nm).

Die neusten PKW laufen allerdings schon mit LED vom Band und dieses Lichtspektrum ist eindeutig blauer.

LED wird unsere Zukunft sicherlich massgeblich beleuchten. Mit der Formel der Rayleigh-Streuung ist abzulesen, dass die Blendung bei blauem Licht 10x intensiver ist, als bei rötlichem Licht.


Bei einigen Optikern kann man seit geraumer Zeit Brillen mit einer Reduktion für das vermeintlich schädliche blaue Licht erwerben. Die Minderung beträgt im Schnitt etwa 10% des Lichtes. Bei einer Firma gar 20% oder 30%, falls gewünscht. Es kann vermutet werden, dass Licht mit einem hohen Blauanteil beispielsweise. von der Sonne oder eines tageslichtweissen LED ausgestrahlt, tagsüber eine sehr positive Wirkung auf die menschliche Leistungsfähigkeit hat. In den Abendstunden sollte es jedoch vermieden werden, um einen gesunden Schlafrhythmus zu wahren.

Digitale Medien sind nahezu überall und es bedarf einer verantwort-ungsvollen Gesellschaft, um einen Nutzen daraus zu ziehen. Einige negative Auswirkungen liegen in der Verantwortung des Nutzers. Einen kleinen Anteil können aber auch alle Optiker bewirken, indem sie aktiv Brillengläser mit einem zusätzlichen Blau-Schutz offerieren und dem Kunden damit einen höheren Nutzen anbieten als klassische Brillen.

Kurzwelliges blaues Licht (435nm) scheint Augenerkrankungen zu begünstigen. Studienergebnisse bestätigen, dass die Exposition mit blauem Licht einen signifikanten Einfluss auf die Melatonin Unter-drückung und somit auf den Schlafrhythmus hat.

Aus einer weiteren Studie ging hervor, dass blauangereichertes Licht bei der Büroarbeit eine signifikant bessere Leistungsfähigkeit und Aufmerk-samkeit, eine geringere Reizbarkeit und eine bessere Konzentration erzielt. Außerdem scheint blaues Licht einen starken Einfluss auf emotionale Prozesse des Gehirns zu haben.

Ist Blaulicht nun schädlich oder nicht?

Berufen wir uns auf die vielen Studien,brauchen wir ein Brillenglas, das uns vor blauem Licht, besonders in der Nacht und im Besonderen um die Wellenlänge 450nm schützt. Damit ist eine positive Wirkung für alle digitalen Medien erreicht und zudem in der Nacht die Blendung gegen Xenon/LED-Lampen reduziert. Auch das Problem mit „trockenen Au-gen“ scheint bei reduziertem Licht geringer zu sein.

Nach Kühn & Deglehatten 33% mit Blau-Reduktionsgläsern einen an-genehmeren Seheindruck, 8% ein blendfreieres, 4% ein weicheres Bild, als mit einer klassischen Entspiegelung.

Der meistgenannte Grund für die Ablehnung der Blaulicht reduzier-enden Brillengläser waren blaue Reflexe, die als störend wahr-genommen wurden. Damit ist auch der klassische, braune Filter wieder eine Option für Licht und Blaulicht Reduktion.

Keine Studie konnte negative Auswirkungen durch blaue Reduzierung feststellen, nur über die Intensität des Nutzens ist man sich noch nicht einig.

Better safe than sorry ?

Der zirkadiane Rhythmus wird durch blaues Licht kontrolliert. Solange wir blaues Licht haben, wird die Produktion von Melatonin blockiert. Sinkt die Menge des Lichtes, schüttet unser Körper vermehrt dieses Hormon aus und wir werden müde. Das bedeutet, dass wir durch digitale Bildschirme, die einen messbar hohen Blauanteil haben, ten-denziell wacher werden. Und vermutlich beweisen auch Deine eigenen Erfahrungen, dass das so sein könnte. Dann würden aber alle Menschen, die sich eine Brille mit Blaulicht-Reduktion kaufen, am PC tendenziell müder werden, weil ja nun das blaue Licht fehlt. 

Hier wird das Problem meiner Meinung nach sehr einseitig bewertet. Die Schlaflosigkeit kommt sicherlich nicht alleine durch den Monitor und das Licht, sondern vermutlich vielmehr dadurch, dass ich mein Interesse an den WhatsApp, Facebook und Instagram-Nachrichten nicht in den Griff bekomme. Die Überforderung ist vermutlich das Problem, nicht das Medium allein.

Fazit (Versuch):

Du kannst vermutlich mit deinen blau-reduzierten Gläsern, wenn Du welche trägst, bestätigen dass Du nicht müder wirst als früher. Also hat das reduzieren auf unsere Augen scheinbar gar keinen Effekt, zu-mindest auf den Tag-Nacht-Rhythmus. Nun ja jetzt kommt die schlaue Industrie und erklärt, dass ein Teil des blauen Lichtes besonders schädlich ist und ein anderer notwendig und die besonders guten Blaulichtfiltergläser reduzieren natürlich nur den schädlichen Teil des Lichtes. Ob das wirklich so ist, müsste noch genau untersucht werden. Aber die Angst vor dem blauen Licht ist bereist geschürt. Studien eines grossen deutschen Glasherstellers haben aber bestätigt, dass Blaulicht-reduktionsgläser keinen Einfluss auf den zirkadianen Rhythmus haben.

Was auch wenig verwunderlich ist. Zum einen ist die Reduktion des „bösen“ blauen Lichtes mit 10–20% zu gering, um etwas zu bewirken, zum anderen ist der empfindliche Teil unserer Netzhaut, der auf blaues Licht reagiert, im unteren Teil der Netzhaut zu finden. Da die Sonne meiner Erfahrung nach oben am Himmel scheint, ist das wohl auch eine gute Idee der Evolution gewesen. Wenn ich also mein Handy eher unten, mein Laptop auf dem Tisch und das Tablet in der Hand, dann kommt gar nicht so viel blaues Licht auf die reaktive Netzhaut. Warum fällt es dann vielen so schwer das digitale Endgerät aus der Hand zu legen und warum können manche Kinder nicht mehr schlafen? Die Ursache und Wirkung, ist sicherlich im Gehirn zu suchen, und jeder muss das für sich selber überlegen, Antworten dazu finden sich viele. Ich gebe bewusst keine. Was ich aber sagen kann, ist, dass eine Brille keinen Einfluss haben wird, es sei denn, wir bieten Dir einen Kanten-filter an, der blaues Licht vollkommen aus der Wahrnehmung filtert. Für augengesunde Menschen ist das aber entwicklungsschädlich und daher absolut zu vermeiden. Diese Gläser finden ihren Einsatz bei schwer augenkranken, sehbehinderten Menschen. 

Auch die Pharmaindustrie hat sich dem Problem angenommen und produziert Augentropfen, die bei Augenstress, verursacht durch blaues Licht, Abhilfe schaffen soll. In einigen dieser homöopathischen Tropfen wird Belladonna verwendet, um die Anspannung zu therapieren.

Belladonna ist der lateinische Name der Tollkirsche und ist ein Nerven-gift. Es handelt sich um einen alten Bekannten, der auch in der Myopie-Prävention und bei Augenärzten sorglos eingesetzt wird. Streng über-wacht natürlich in geringen Mengen ist ein Nervengift vermutlich nicht schädlich. Glücklicherweise sind diese Augentropfen ja homöopathisch und damit ohne Wirkstoff.

Die bessere Wirkung erzielst Du vermutlich mit 30 Minuten ausruhen und Augen schliessen. In einer gut untersuchten Studie wurde gezeigt, das Lernen und Arbeiten bei 50 LUX langfristig zu einer Einschränkung im Denken und in der Geschwindigkeit des Denkens kommt. Bei 1000 LUX wird dieses wieder optimiert. Licht ist damit scheinbar nachweislich eine wichtige Größe in der Lernentwicklung im Gehirn.

Blaulicht soll ein Wachmacher sein, angeblich reichen bereits 5 LUX während 30 Minuten, um den Schlafrhythmus am Abend zu stören. Allerdings lassen solche Angaben und Studien immer offen, wie viel LUX mein Smartphone zum Beispiel hat und ob überhaupt alles davon auf meine reaktiven Netzhautstellen kommt. Ein weiterer oft, und somit vermutlich bekannter Faktor scheint es zu sein, dass ein Mangel an blauem Licht in der Winterzeit zum Beispiel zu einer Depression führen kann. Demnach wäre ein Smartphone mit hohem Blaulichtanteil ein wirksames Antidepressivum. Da dem nicht so ist, scheint die Wirkung der Bildschirme aufgrund der blauen Lichtintensität nicht so stark zu sein, wie manche Industrie uns weiss machen will.

Blaues Licht liegt sehr nah an der Wellenlänge von UV-Licht, und dieses scheint nun wirklich dauerhaft und in hoher Menge schädlich zu sein. Allerdings hat ein augengesunder Mensch nichts zu befürchten. Die natürliche Augenlinse wird zunehmend lichtempfindlicher und reduziert die Transparenz für blaues Licht. Vom ersten bis zum 25. Lebensjahr halbiert sich die Durchlässigkeit und von 25 bis 75 geht er gar auf ein Viertel des ursprünglichen Wertes herunter. 

Warum der Schutz kontinuierlich startet und nicht voll ausgebildet ist, hat sicherlich verschiedene Ursachen und Folgen. Eine davon ist, dass die Augen im Mutterleib noch kein direktes Sonnenlicht abbekommen und sich daher auch noch kein UV-Schutz entwickelt hat.

Blaues Licht ist vermutlich gut und nützlich und eventuell manchmal schädlich. Brillengläser mit blauer Lichtreduktion konnten in keiner Studie positive oder negative Effekte aufweisen. Auch ist der von der Industrie immer höher werdende UV-Schutz bei Brillengläsern meiner Ansicht nach ohne Wirkung in der Welt der pathologischen Probleme. Trotz zunehmender Schutzleistung werden die Augenerkrankungen immer häufiger, das spricht laut Industrie dafür, noch mehr UV-Schutz in die Gläser zu bauen. Da es aber bereits 100 % Schutz sind, wird die Industrie nicht müde, sich einfach neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu besorgen, um dann einen besseren Schutz zu verkaufen. Es gibt meiner Erkenntnis nach keine Beweise, dass Brillenträger seltener an Augenerkrankungen leiden, das spräche ja für einen flächendeckenden Schutz mit Brillengläsern. Der gut informierte Optometrist wird viel-leicht an dieser Stelle Australien in den Fokus rücken und mich darauf hinweisen das dort vermehrt Kinder mit Kontaktlinsen und Brille vor dem schädlichen UV beschützt werden. Vermeidlich erfolgreich, denn die Häufigkeit der Erkrankungen stagniert seit einigen Jahren. Es bleibt aber auch festzustellen, dass Kinder ohne Kontaktlinsen und Brille seltener Augenerkrankungen haben. Das spricht nach Meinung vieler Forscher dafür, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung dazu geführt hat, dass Kinder sich kürzer der direkten Sonnenbelastung aussetzen. Damit hat das Verhalten mehr Einfluss als die verkaufte Ware. In der Medizin findet sich ebenfalls eine Blaufilter-Variante. Für Patienten, die sich ihre Augenlinse entfernen lassen, weil diese grau geworden ist (Grauer-Star oder Katarakt), gibt es die Möglichkeit, die neue Linse in kristallklar oder mit einem Gelbfilter, der wiederum das blaue Licht herausfiltert, zu ersetzen. Die Studienlage hierzu ist nicht eindeutig. Es gibt Befürworter und Gegner, beide Seiten sind sich sicher, beweisen kann es keiner. Nichtsdestotrotz wird das Produkt gegen einen gewaltigen Aufpreis verkauft.

Business, also Geld verdienen, ist auch beim Thema digital aging der Katalysator. Es gibt Cremes in der Apotheke und Drogerie gegen blaues Licht. Und mein persönlicher Favorit sind Gummibärchen. Es gibt für Kinder tatsächlich Blauschutz-Zucker-Gelatine-Bärchen zu einen extrem unverschämt hohen Preis.

Die Industrie wird nicht müde, sich immer neue Verkaufsideen aus den Fingern zu saugen. Es liegt an den Augenärzten und Augenoptikern zu diesem Thema Stellung zu nehmen.

Von den Augenärzten in der Schweiz kenne ich einige veröffentlichte Artikel in der Tagespresse, die zu diesem Thema deutliche Worte finden. In der Fachwelt der Augenoptiker schwimmen annähernd alle auf der Welle der Industrie mit und verkaufen Produkte die nicht ausreichend genau oder gar wissenschaftlich getestet wurden. Viel schlimmer ist sogar das einige Studien und Arbeiten von renommierten deutschen Herstellern ignoriert werden, weil das Ergebnis nicht in die Werbung passt.

Zum Glück ist diese Reduktion für niemanden Schädlich und man kann ohne weiteres sagen das jedes Glas dieser Generation in der Lage ist den Kontrast zu steigern.

– weniger Blau mehr Kontrast –

Im Rahmen der Komplementär-Optometrie verzichte ich auf Brillen-gläser die die natürlichen Farben verändern. Das Ziel ist es das eine Belastung durch Vermeidung verhindert wird. 

Ergänzung:

Die heutige Lichtverschmutzung, im Besonderen mit bläulichen LED-Lampen, verursacht in der Insektenwelt ein grosses Dilemma. Die kleinen Viecher werden durch das Licht angelockt und sterben vor Erschöpfung oder durch Fressfeinde. Ich mag zwar auch nicht alle kleinen Insekten, aber es sollte jedem Bewusst sein, das diese eine Aufgabe im System haben und ein Wegfall dieser nicht ohne Folgen bleiben kann. Es werden also Mensch und Tier durch das bläuliche Licht beeinflusst.


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