Funktional-Optometrie

Die Funktional-Optometristen stammen aus den USA und werden dort als Behavioral-Optometrist bezeichnet.

In Deutschland werden sie von der BOAF (Behavioral Optometry Acad-emy Foundation) oder aber auch der WVAO (Wissenschaftliche Verein-igung der Augenoptik und Optometrie) vertreten und ausgebildet. Dort werden Seminare zu dieser Weiterbildung angeboten und mit einer Prüfung, die aber nicht verpflichtend ist, reglementiert. Es gibt also Funktionaloptometristen und solche mit BOAF/WVAO Prädikat.

Ebenso bietet eine deutsche Meisterschule in Kooperation mit einer selbst ernannten Sehschule die Weiterbildung in 18 Präsenztagen für 2200 Euro an. Der Lehrende Funktional-Optometrist ist Ausbilder der BOAF und empfiehlt die Akkreditierung dort, für weitere 500 Euro, noch anzuschließen. Vermutlich, und auf Nachfrage auch bestätigt, machen das die Wenigsten. Der Begriff des Funktional-Optometristen ist nicht geschützt und kann von jedem benutzt werden. Eine Weiterbildung in der Schweiz ist mir bisher nicht bekannt.

Es war wohl 1928, als Herr Skeffinkton diese neue Methode begründet hat. Er stellte sich die Frage, ob das Vermessen der Augen, also die klassische Optometrie in den USA, ausreichend gut genug ist, um das Sehen zu beurteilen. Er hat, meiner Meinung nach, ganz richtig verstanden, dass das Sehen vom Gehirn und seiner Entwicklung abhängig ist. Deswegen wird in der Funktional-Optometrie zuerst eine Vielzahl von Tests gemacht, die Deine aktuelle 3D-Qualität beurteilen sollen. Bei Kindern bis ca. 12 Jahren werden zudem Entwicklungstests gemacht, die er aus anderen Disziplinen ausgeliehen hat. Die Methode wird in Amerika „Behavioral Optometry“ genannt, was in der besseren Übersetzung, meiner Meinung nach, Verhaltens-Optometrie genannt werden sollte. In der deutschsprachigen Welt hat man sich aber für das Wort Funktion entschieden und stellt damit wieder die Messung in den Mittelpunkt, nicht den Menschen. Die Methode ist in den 1930er Jahren entstanden, als in der Biologie der Behaviorismus stark etabliert war.

Was macht ein Funktional-Optometrist?

Es wird eine Fülle von visuellen Funktionstesten abgearbeitet. Je nach Alter des Kunden werden anschliessend Entwicklungstests durchgeführt.

Dann folgt ein Testablauf, den man vielleicht als Stresstest (OEP 21) bezeichnen könnte. Nach allen diesen Messungen (Dauer ca. 2 Stunden) kann der Funktional-Optometrist dann einen Vorschlag, meist als Lösung verkauft, zur Behandlung anbieten. Es gibt Visualtraining und natürlich optische Hilfsmittel, die eingesetzt werden können.

Für die Funktional-Optometrie ist kein neues Verfahren entwickelt worden, es wurden viele schon vorhandene und existierende Test-verfahren kombiniert. Dieses scheinbare wahllose zusammenwerfen von Methoden aus verschiedenen Jahrhunderten nimmt der Behand-lungsweise etwas ihre Seriosität und erlaubt Gegnern die Diffamierung. Es ist bis heute keine anerkannte Methode weder in den USA noch in einem anderen Land. 

Es ist aber spannend zu beobachten, dass immer mehr Augenoptiker sich diese Weiterbildung gönnen. Viele „alte“ Optometristen scheinen gemerkt zu haben, dass das klassische Weltbild der Meisterschulen sich nicht immer ganz deckungsgleich mit der Wirklichkeit zeigt. Diese KollegenInnen gehen dann die Weiterbildung zum Funktional-Optometristen  und suchen hier den“ Stein der Weisen“.

Alle diese Messungen haben immer wieder die Aufgabe, dass man sich ein Bild vom Kunden machen kann. Wie gut oder auch nicht sein 3D-Sehen ausgeprägt ist. Dazu werden Apparate benutzt, die es seit 100 Jahren gibt wie z. B. ein Stereoskop. Dies ist eine Möglichkeit,
3D-Sehen in der Nähe zu erzeugen, um eine Fotografie räumlich wahrzunehmen. Das Biopter, eine baugleiche Variante, wird eingesetzt, um die 3D Qualität zu beurteilen, allerdings kann eine Simulation nie so gut sein, wie die Wirklichkeit. Heute in einer Zeit in der 3D im Kino und zu Hause existiert, haben viele selbst festgestellt, dass der Effekt beein-druckend sein kann, aber niemals wie die Realität ist. Eine Simulation als Messung zu benutzen ist also immer eine unwirkliche Abbildung der Realität. Diese Geräte werden auch als Trainingsgeräte benutzt, auch hier bin ich nicht sicher, wie gut das Training in einer Simulation, im Vergleich zur Realität, ist. Aber vermutlich besser als gar kein Training. 

Es gibt bis heute keine wissenschaftlichen Belege für die Methoden in der Art und Weise, wie sie angeboten werden. Viele Messungen erfolgen nach alten Ideen, die heute nicht mehr aktuell sind. Alle Entwicklungstests nach Piaget und Gsell, aus den 30er und 50er Jahren, sind heute nicht mehr vollständig als korrekt und richtig zu beurteilen.

Allerdings ist es wie in der klassischen Optometrie, die sich im deutschsprachigen Raum der Messung von Prismen verschrieben hat, immer eine Frage der Wahrnehmung. Die Kausalität sagt meist, ich habe etwas getan, deswegen ist es jetzt besser. Wie es gekommen wäre ohne diesen Eingriff oder einen anderen ist spekulativ und deswegen nicht zulässig. Damit beruft sich die Funktional-Optometrie, die mit empirischen Daten aufweisen kann, auf eine sehr verzerrte Realität. Eine nicht anerkannte Ausbildung wie die Funktional-Optometrie zieht natürlich auch ein besonderes Kundenklientel an. Entweder, weil sie sich solchen Methoden gerne „ergeben” oder weil alles andere bisher nicht funktioniert hat, landen sie bei einem “Spezial-Optometristen“. Viele sind nicht mal ansatzweise ausgebildet und benutzen die Meth-oden nach eigener Vorstellung. Das ist natürlich immer wieder Öl im Getriebe der Gegner. Sowohl die Funktional-Optometrie wie auch die Prismen Messung nach der MKH aus Deutschland haben es bis heute nicht geschafft, sich zu etablieren. Das sollte zu denken geben, mit welchem Ausgang auch immer. Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die sehr zeitlich intensive Messung und  „Feststellung” des vermuteten Ist-Zustandes vielen Menschen erst mal ein wenig Druck von den Schultern nimmt. Das ist kein Placebo-Effekt aber erwiesenermassen ein Neuromechanismus, den wir alle an anderen und uns beobachten können. Bei der Diagnostik von Kindern bis 16 Jahren frage ich mich zudem immer wieder, woher das Problem kommt. Ich kann bei vielen dokumentierten Fällen die Behandlung akzeptieren, weil sie nicht schädlich ist, aber ich bezweifle die Wirkung. Kinder entwickeln sich, manchmal sind es eben Kleinigkeiten, die eine Verzögerung bewirkt haben .

Das Ziel ist stets die beste Binokularität zu erreichen. Laut den Anwendern der Funktional-Optometrie sind es bis zu 90% unserer Wahrnehmung, die über die Augen aufgenommen werden. Wir sehen mittig im Auge das Objekt unseres Interesses, den Stimulus und in der Peripherie den Hintergrund. Der Hintergrund wird verschwommen, immer wahrgenommen und im unterbewussten verarbeitet. Das Erkennen wir immer dann, wenn etwas aus der Peripherie unser Interesse weckt und wir unseren Kopf drehen, um es scharf zu sehen. 

Sehen in der Funktional-Optometrie bedeutet wahrnehmen, diese Wahrnehmung ist besonders geprägt durch die individuellen Erfahrungen. 

Hier zeigt sich eine optische Täuschung als spannende Erklärung. Die Müller-Lyer Täuschung, 1889 vom gleichnamigen Psychiater entdeckt, funktioniert nur bei Menschen, die in eckigen Gebäuden aufgewachsen sind. Diese Menschen haben den Eindruck, dass die linke Linie länger ist, als die Rechte. Das ist ein erlerntes Sehen, das nur durch unsere Raum-geometrie mit Wänden und Kanten erlernt wird.

Naturvölker, die in runden Häusern wohnen, sehen sofort, dass beide Geraden gleich lang sind. Runde Häuser haben, was die Angriffs-fläche vom Wind angeht einfach einen enormen Vorteil gehabt.

Heutige Baumaterialien erlauben uns, hohe Gebäude bei ausreichender Stabilität.

Die Stufen der Binokularität 

Üblicherweise kommt ein Baby mit Simultan-sehen auf die Welt und erlernt dann das „Verschmelzen“ der beiden Seheindrücke (Fusion) und später die räumliche Tiefe. Daraus entsteht die sogenannte Stereopsis. Alternierende Menschen sehen mal mit dem einen Auge, mal mit dem anderen. Das ist nicht schlimm, aber im 3D-Kino ungünstig. In der Literatur finden sich Hinweise, dass so-wohl Goethe als auch Adenauer alternierend gesehen haben, und aus denen ist ja auch was geworden. Monofokal bedeutet, dass man nur mit einem Auge sehen kann, auch das ist nicht weiter schlimm, habe ich mal von einem einäugigen Piraten erklärt bekommen.

Der klassische Optometrist in DACH bezieht sich gerne auf die Erkennt-nisse von Prof. Heinz Diepes aus dem Jahr 1973. Damals wurde die sogenannte „blaue Bibel“ der deutschsprachigen Augenoptik  das erste Mal veröffentlicht. Hier unterscheidet man drei Varianten der Binokularität.

Als Skeffinkton in den 1930er Jahren in den USA die OEPF gegründet und geleitet hat, entwickelte sich durch und mit ihm die Behavioral Optometry immer weiter. Sehr früh schon erklärte er sein Vier-Kreise-Modell. 

                Antigravity             Wer bin ich?

                Centering                Wo ist es?

                Identification          Was ist es?

                Speech Auditory     Wie ist es beschaffen? 

Dieses Modell hat die Ganzheitlichkeit des Sehens im Mittelpunkt und wird von der Wissenschaft nicht ganz ernst genommen. Viele Erfolge lassen aber die Methode richtig erscheinen. Für mich erschließt sich die Kausalkette nicht immer ganz vollständig. In Europa sind zwei Funktional-Optometristen immer wieder im Fokus und werden als „die Experten” benannt. Collier und Vanhimbeeck aus Belgien haben die Methode um ihr Pyramidenmodell erweitert oder erklärend er-gänzt. Sonja Vanhimbeeck betreibt heute als Behavioral Optometrist und General Manager den größten Versandhandel in Europa für Material und Unterlagen für den Funktional-Optometristen. Stefan Collier wird als der Experte in Europa gehandelt und gerne in den Medien zitiert.

 Funktionsteste der Binokularität 

 Die folgenden Funktionstests werden in der Funktional-Optometrie  angewendet:

  1. Screening mit dem Biopter
  2. Führungsauge bestimmen
  3. Amsler-Test
  4. Visus bestimmen
  5. Hirschberg-Test
  6. Orientierende Motilität
  7. Brückner-Test
  8. Wörth-Test
  9. Bagolini-Test
  10. Cover, Uncover und alternierend
  11. Nahpunkt der Konvergenz
  12. Midlineshift
  13. Sakkaden
  14. Akkommodationsdynamik  
  15. Vergenzflexibilität
  16. Handmaddox
  17. Harmondistanz
  18. Van-Orden-Stern
  19. Pupillenreaktion
  20. Optokinetischer Nystagmus
  21. vestibulookulärer Reflex
  22. propriozeptive Reaktion nach Dr. Getz

Diese 22 Teste sollen am Anfang eine Vorstellung des Ist-Zustandes erlauben. Dabei ist die Menge der Funktionaltests und deren Durch-mischung aus Erfahrungen zusammengestellt und nicht aus wissen-schaftlichen Begründungen. Ebenso werden oft Tests fallen-gelassen, wenn der Funktional-Optometrist das Arbeitsgerät nicht besitzt. Ich möchte hier nicht jeden Test einzeln erklären und interpretieren, aber etwas anschneiden.

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Problemen bei einer Simulation, deswegen ist das Biopter als Messgerät nach wissenschaftlichen Mass-stäben bedenklich. Die empfohlenen Testkarten für das Original Biopter sind zudem in Europa nur schwer zu bekommen, die heute erhältlichen Replikationen sind unzureichend. So hat der Funktional-Optometrist schon Schwierigkeiten, überhaupt das richtige Gerät mit richtiger Zusammenstellung zu erwerben. Und wenn er es dann doch über einen der beiden Zulieferer in Europa erhält, ist es unverschämt teuer. Deswegen kenne ich sehr viele Funktional-Optometristen, die sich ihre Geräte selber basteln. Hier lässt aber die Ungenauigkeit der verschiedenen Apparaturen schon einen Spielraum für Spekulationen zur Genauigkeit der Methode. Als nächster Schritt wird das Führung-sauge bestimmt. Nach der klassischen Optometrie gibt es verschiedene Möglichkeiten, die auch verschiedene Ergebnisse erlauben. In der Funktional-Optometrie sind alle Methoden erlaubt, weil es dort nur ein Führungsauge geben kann.

In einigen Studien wurden die verschiedenen Möglichkeiten das Führungsauge zu bestimmen verglichen und der Peiltest wurde wissen-schaftlich als seriöser bewertet. Hersteller von Kontaktlinsen fordern allerdings mit der Nebelglasmethode eine andere Technik. Laut Experten sollte man in der Ferne immer den Peiltest nutzen und in der Nähe mit der halben Addition beidseits, abwechselnd nur einem Auge die volle Addition anbietend das sensorische Nah-Führungsauge ermitteln. Hier werden dann ein motorischer und sensorischer Test gekoppelt.

Führungsauge

Es bleibt auffallend das Menschen mit unterschiedlichen Verfahren andere Führungsaugen haben. Das scheint mir bedingt logisch zu sein. Wenn Lateralität ein Verfahren ist um Energie zu sparen, warum wechselt das Auge dann? Ich würde einmal vorschlagen die Messungen unter verschiedenen Entfernungen zu machen und darauf zu achten was passiert.

Der durchgeführte Amsler-Test ist auch in Optometrie und beim Augenarzt zu Hause und eine wunderbare und einfache Möglichkeit, bei Patienten Veränderungen der Netzhaut zu beobachten. Dieser Screening Test ist bei Auffälligkeiten sofort ein Indikator den Kunden zum Arzt zu schicken. Ein weiterer Test der Funktional-Optometrie ist der Hirschberg-Test, nach Dr. Hirschberg aus Berlin der bereits 1925 verstorben ist. Hier werden Reflexe beurteilt und bewertet. Heute ein Klassiker in der Medizin und der Orthoptisten wird dieser Test auch in der Funktional-Optometrie benutzt. Bedenklich wird es, wenn ein Strabismus erkannt wird. Ob das nun richtig oder falsch ist, mag ich hier nicht beantworten und kann es auch nicht, aber ein Strabismus gehört in Deutschland und der Schweiz immer zum Augenarzt, so ist nun mal das Gesetz. 

Der ebenfalls aus Deutschland stammende Brückner-Test dient auch heute der Erkennung von einem Strabismus und sollte in der frühkindlichen Kontrolle beim Kinderarzt durchgeführt werden. Zumindest wäre das nach mir der beste Platz dafür. Hierfür wird ein Ophthalmoskop benutzt und der Reflex der Netzhaut beurteilt. Das kann nach kurzer Erklärung jeder, der ein Ophthalmoskop hat, gerne machen. Weiterhin nutzen die Funktional-Optometristen den 1900 in England entwickelten Wörth-Test und den 1924 in Italien erfundenen Bagolini-Test.

Alle Auffälligkeiten, die hier gefunden wurden, würden sich auch im Cover-Test zeigen. Als zusätzliche Ergänzung sollten man aber den Cross-Cover-Test und der Motilität-Test durchführen.

Für mich ist der Aufwand mit derart vielen Funktionstesten sehr undurchsichtig und wirkt auf mich willkürlich und undifferenziert. 

Besonders der Van-Ordensstern, der am Biopter oder dem Cheiroskop durchgeführt werden kann, lässt viel Raum für Verwirrung. Einige Anwender konnten in meinen Ausführungen, also in dem Stern, den ich gemalt habe, viele Dinge hineininterpretieren. Familienstand, Gesund-heit und auch Krankheiten, Stress und Unausgeglichenheit. Pseudo-wissenschaftliche unqualifizierte psychologische Profile halte ich persönlich für gefährliche Produkte. 

Der Verstand erschafft sich immer seine Rechtfertigung, wie Ron Smotherman erklärt und damit ergeben die Kausalketten auch schein-bar einen Sinn. Wird die Reduktion als wissenschaftliche Methode der Beweisführung umgangen und der Beweis empirischen Daten zugeschrieben, ist es mehr eine persönliche Interpretation, als eine wissenschaftliche Studie.

Folgende Screening Methoden kann ich auch in der Komplementär-Optometrie gut einfügen:

Visus-Bestimmung, Amsler-Test, Cover, Cross-Cover, Harmondistanz (diese findet sich sogar aktiv im 10 Punkte Programm), Wörth-Test und Brückner-Test.

Alle anderen Methoden möchte ich gerne in andere Hände abgeben, wie Augenarzt, Orthoptistinnen und auch Kinderärzten.

Das Sehen ist ein Vorgang, der erlernt werden muss, deswegen reicht es laut der Funktional-Optometrie nicht, den visuellen Zustand zu bestimmen, um sich für die richtigen Trainingsmethoden zu ent-scheiden. Besonders bei Kindern aber auch bei Erwachsenen mit Ent-wicklungsstörungen und bei Patienten nach einer zerebralen Störung (z.B.: Schlaganfall) sind diese Tests durchzuführen. Gesammelt wurden diese in der Funktional-Optometrie von Prof. Irwin B. Suchoff. Er war bereits früh an der Entstehung und Weiterentwicklung der Funktional-Optometrie beteiligt und ist als Doktor der Optometrie ausgebildet. Er hat sich bei Kinderärzten bedient, um seine Entwicklungstests zu integrieren. Besonders sind hier Piaget und Gsell hervorzuheben. Piaget war ein Biologe und Forscher in der Schweiz, der in den 1930ern viel zur Entwicklungspsychologie beigetragen hat.

Gsell war zur gleichen Zeit wie Piaget als Psychologe und Kinderarzt in den USA aktiv und hat seinerseits viel zum besseren Verständnis beigetragen. 

Entwicklungsteste

die nach I.B. Suchoff in der Optometrie nützlich sind: 

Engel im Schnee

Bei diesem Test werden die Körperfunktionen geprüft. Der Prüfer und Prüfling stehen sich gegenüber und der Prüfer berührt nacheinander die Arme und Beine des Prüflings. Dieser soll immer nur das Körperteil bewegen, welches vorher berührt wurde. 

Einbeiniges Hüpfen

Hier wird der Prüfling gebeten auf einem Bein zu hüpfen, dreimal auf einem, dann dreimal auf dem anderen.

Tafelkreide 

Mit beiden Händen werden Kreise von innen nach aussen oder aussen nach innen auf eine Tafel gemalt.

Unvollständiger Mann 

Hier wird ein halbes Strichmännchen vom Prüfling vervollständigt.

Puzzle 

Ein Puzzle mit 12 Teilen wird in einer bestimmten Reihenfolge auf dem Tisch ausgelegt und vom Prüfling wieder einsortiert.

Steckbrett

Es gibt zwei gleiche Holzbretter, auf denen Holzstäbchen eingesteckt werden können. Es wird vom Prüfer für den Prüfling ein Bild eingesteckt und nachgemacht.

Formkopieren

Es werden eine bestimmte Anzahl an Figuren wie beispielsweise Kreise, Quadrate, Rauten und weitere aufgemalt.

Diese 7 Diagnosetests helfen, das Entwicklungsalter einzuordnen. Wenn ein 8-Jähriger zum Beispiel auf dem Entwicklungsstand eines 5-Jährigen ist, so muss das Visualisierungstraining an einer anderen Stelle ansetz-en. 

Die aufgeführten Entwicklungsteste sollen die Entwicklung anhand der vorhandenen Körperkontrolle einordnen. Dabei werden die Lateralität und die Direktionalität eingeordnet. Die Lateralität, also ob wir Rechts- oder Linkshänder oder -füssler sind, ist eine wichtige Grundfunktion unseres Gehirns. Es geht um eine Erleichterung der Abläufe, weil nicht mehr ständig über die Vorgehensweise nachgedacht werden muss. Ein Kind kommt ohne ausgeprägte Lateralität auf die Welt, einzig bei unseren Ohren sind wir scheinbar anatomisch vorbestimmt. Die Direkt-ionalität ist die Wahrnehmung und der Umgang des Kindes mit dem Raum und den Strukturen, die ausserhalb des eigenen Körpers sind. Auch das ist bei Kindern noch nicht ausgeprägt, wenn sie auf die Welt kommen. Kinder kreuzen nicht gleich die Körpermitte. Wenn etwas links liegt, nehmen sie es mit der linken Hand auf, liegt es rechts mit der rechten Hand. Natürlich hat die fehlende Lateralität auch einen Einfluss auf die Direktionalität. Es ist immer eine bedingte Abhängigkeit.

Krabbeln braucht eine stabilere Sehachse als einfach auf dem Boden zu liegen. Wenn diese dann gefestigter ist, kann das Laufen starten, denn die stabile Sehachse hilft dem System beim Laufen lernen, die Sensorik beeinflusst die Motorik und die Erfahrungen natürlich die Motorik.

Kinder sind zwischen 4 Monaten und ca. 2 Jahren in ihrer Wahr-nehmung motorisch eingestellt. Dinge werden als Baby im Mund erkundet, nicht mit den Augen. Später dann mit den Händen, aber im-mer noch nicht mit den Augen.

Ein Kind zwischen 2 Jahren und 5 Jahren ergänzt die motorische Sen-sorik der Hände bereits durch die Augen, es muss aber alles anfassen, um es zu „begreifen”. Ab 5 Jahren übernimmt das visuelle System zunehmend die Führung und zwischen 7 und 8 Jahren ist das visuelle System ausgeprägt. Der Stift auf dem Tisch ist erkennbar, ohne ihn anzufassen.

Die Entwicklungstests sind schon lange in der Kindesentwicklung in der Benutzung und sind nicht mehr auf dem aktuellsten Stand der neuronalen Wissenschaften. Die pädagogischen Paradigmen von Piaget und Gsell sind nicht in vollem Umfang up to date. Die Funktional-Optometrie bedient sich hier veralteten Vorstellungen, aber erfolgreich.

Kinder und auch Erwachsene, die sich erkennbar nicht im  „richtigen” Entwicklungsstand befinden, benötigen beim Visualtraining eine besondere Betreuung und vermutlich mehr Körperübungen. Es ist immer von Vorteil, eine ergänzende Therapie anzustreben. Beliebte Disziplinen, die auch mit dem Visualtraining kooperieren können sind:

Atlastherapie, Bobath, Feldenkrais, Osteopathie, Tomatis, diverse pädagogische und therapeutische Heilpraktiker-Berufe

Wie so oft kann es aber vorkommen, dass sich die Behandlungen nicht ergänzen, sondern gegenseitig behindern. Es kommt vor, auch in Berufen die selbst mit einer gewissen Akzeptanz kämpfen, dass Therapeuten nicht aufgeschlossen sind und nicht im Sinne des Kunden handeln. Mir ist eine Methode immer suspekt, wenn diese sich die Alleinherrschaft über die Welt aneignen will. 

OEP – Stresstest

Das Optometric Extension Programm wird seit seiner Zusammen-stellung in den 1930er Jahren in den USA von einer Foundation in Maryland (OEPF) organisiert oder verwaltet. Allerdings hat diese Organisation nicht viel zu tun, denn seit Skeffinkton diese Messereihe impliziert hat, ist diese nahezu unverändert geblieben. Einfach gesagt geht es darum, den maximalen Stress Level der Augen und des Benutzers dieser Augen, zu ermitteln, um einen Vergleich zwischen diversen Korrekturen anzustellen. Das Ergebnis aus diesem 21-Punkte-Messprogramm hat direkten Einfluss auf die Brillenstärke oder ein Visualtraining. Deutsche Augenoptikermeister lernen diese Methode nie kennen, ausser sie bilden sich absichtlich weiter. Schweizer BSc die in Olten studieren, lernen diese Messreihe kennen, wenden sie aber nicht an. In den USA ist zwar die Funktional-Optometrie nicht wissenschaftlich anerkannt, die OEP21 wird dort aber fleissig und intensiv betrieben.

Skeffinkton hat zudem auch keine neuen Verfahren entwickelt, sondern nur bestehende Testverfahren in eine, für ihn logische, Reihenfolge gebracht.

1 Ophthalmoskopie

2 Ophthalmometermessungen

3 gewohnte Fernphorie

4 statische Skiaskopie

5 dynamische Skiaskopie

6 dynamische Skiaskopie in einem Meter

7A subjektive Refraktion

7B subjektive Refraktion Visus 1,0

8 induzierte Fernphorie

9 Nebelpunk – Adduktion  Ferne

10 Konvergenz Ferne

11 Break/Recovery Abduktion Ferne

12 Vertikalphorien und Duktionen

13A gewohnte Nahphorie,

13B induzierte Nahphorie

13C Addition +1,0 auf Stärke Punkt 7

13D Reduktion -1,0 auf Stärke Punkt 7

14A Nahprüfung mit Kreuzzylinder monokular

14B Nahprüfung mit Kreuzzylinder unter Fusion

15A induzierten Phorieverhalten über 14A

15B induzierten Phorieverhalten über 14B

16A Nebelpunk Adduktion Nähe

16B Break/Recovery Adduction

17A Nebelpunkt Abduktion

17B Break/Recovery Adduktion Nähe

18 Vertikalphorien und Duktionen

19 analytische Akkommodationserfolge

20 PRA

21 NRA

Die Tests werden nicht immer in numerischer Reihenfolge durch-geführt. Zudem haben wir durch die vielen Unterteste A, B, C und D nach meinem nachzählen eigentlich eine OEP29. 

Test 2 wird aber von fast keinen Anwender durchgeführt, weil wir heute wissen, dass die Ergebnisse nicht aussagekräftig sind. Zur Erinnerung: Testmethoden, die es bereist gab, wurde in einer neuen Reihenfolge zusammengeführt und das 1930. Damit sind viele der durchgeführten Methoden über 100 Jahre alt und sollten nach mir von der OEPF überdacht werden. 

Viele Funktional-Optometristen nutzen am Ende nur eine OEP18 oder eine OEP16, je nachdem, welche Geräte sie zu Verfügung haben oder was sie für nötig erachten.

Die Ophthalmoskopie erlaubt dem Anwender einen Blick in das Auge und die Möglichkeit, die Netzhaut zu betrachten. Einem geübten und versierten Augenarzt erlaubt das recht viele Rückschlüsse. Allerdings wird dieses Gerät in einer modernen Praxis kaum mehr angewendet. Es gibt erheblich genauere bildgebende Verfahren. Zudem ist der Arbeits-abstand vom Prüfer zum Kunden irgendwo bei 8 cm, also extrem nah.

Ein wichtiges Instrument, heute aber nicht mehr zeitgemäß. Die Messung der Stärke mit einer Skiaskopie ist eine wunderbare objektive Möglichkeit, die Sehstärke zu ermitteln. Verfechter dieser Methode behaupten, dass die moderne elektronische Variante, der Auto-Refraktometer, wie er bei eigentlich jeden Augenoptiker steht, nicht seriös funktioniert. Das mag insoweit richtig sein, dass jedes technische Gerät eine Fehlerquelle hat, der Auto-Refraktometer arbeitet aber bei ausgewachsenen Augen mit einer guten Genauigkeit, bei Kindern aller-dings ist das Gerät gelegentlich überfordert. Hier ist eine Skiaskopie sicherlich eine gute Möglichkeit.

Am Ende erlaubt die Messreihe nur eine Vermutung, keine Diagnose. Es wird zwischen pathologischen Problemen, Konvergenz und Akkommo-dationserfolg unterschieden. Auch, ob ein Problem flexibel oder stabil ist. Diese Daten erlauben den Erfolg einer Brille und das Visualtraining einzuordnen. Über allem steht aber immer die Motivation des Kunden, wenn dieser will, kann er eine gefestigte Problematik lösen, wenn eine flexible Auffälligkeit nicht optimiert wird, kann man sich immer darauf verlassen die Schuld auf die mangelnde Motivation des Kunden zu schieben. 

Nachdem ich diese Testreihe, als Kunde, in 30 Minuten über mich ergehen lassen habe, wurde ich informiert, dass ich ein pathologisches Problem habe, das sehr tief verankert ist. Nun ja, das mag vielleicht so sein, aber ich habe keine Probleme mit meinen Augen. 

Ich habe, um die Methode zu testen, vor dem Start darauf aufmerksam gemacht, dass ich starke Probleme habe, da ich als Kind operiert wurde und kein seriöses Binokularsehen habe. Alle diese Informationen waren absichtliche Lügen, um die Seriosität der Auswertung zu beurteilen. Vielleicht wird der ein oder andere Funktional-Optometrist nun sagen, der Test stimmt, nur weil ich keine Probleme spüre, bedeutet das ja nicht, dass ich keine habe. Irgendwann kommen die sicherlich. Das kann und will ich nicht ausschließen, aber ich arbeite mit den Punkten der Komplementär-Optometrie jeden Tag für ein gutes Gelingen meiner Sehfähigkeit. 

Die ganze Messung dauert etwa 1,5 Stunden und kostet im Schnitt 200 Euro inklusive der Auswertung, die einige Tage später erfolgen muss, weil es sehr mühsam ist, die ganzen Testreihen auszuwerten. 

Seit wenigen Jahren erst bietet die ifb Karlsruhe einen Kurs zur Visualoptometrie an. Diese neue Wortschöpfung bezeichnet eine verkürzte Variante der Funktional-Optometrie und der integrativen Analyse. Es ist keine Weiterentwicklung, mehr eine minimalistische Interpretation. In 72 Schulstunden wird man hier zum Spezialisten ausgebildet und führt dann Visualtraining durch. Manchmal verkauft sich der ausgebildete Experte auch als Therapeut, was einen, meiner Meinung nach, unerlaubten Effekt beim Kunden ausübt.

Integrative Analyse

Die Herren Scheiman und Wick haben Mitte der 90er die in die Jahre gekommene OEP überarbeitet und verschlankt. Die neu entstandene Methode wird „Integrative Analyse“ genannt und ist überwiegend in Amerika, aber auch sonst auf der Welt im Einsatz. In Deutschland konnte man diese zeitweilig über die IAO (Interdisziplineres Kompetenzzentrum Augenoptik, Optometrie und ophthalmologische Optik) an der Fachhochschule in Jena in einem dreitägigen Seminar erlernen. Wie tief das vermittelte Wissen sein kann, muss jeder für sich entscheiden. Der Doctor of Optometry studiert in den USA 7 Jahre.

Ergänzend zur OEP und der Integrativen Analyse muss noch die grafische Analyse aufgezählt werden. Hierbei werden nur die Phorie für Ferne und Nähe, die positive wie negative relative Akkommodation und Konvergenz sowie die Akkommodationsbreite ermittelt. Alle sieben Parameter werden dann in einem Diagramm abgebildet und der AC/A -Quotient ermittelt. Dieser Wert fällt im Schnitt höher aus, als die von mir vorgeschlagene Methode zur AC/A Bestimmung.

Visualtraining in der Funktional-Optometrie

Nach der Anamnese, der ganzen Tests, wird der Funktional-Optometrist eine Therapie vorschlagen. Das kann eine Brille sein, aber auch ein Visualtraining. In den allermeisten Fällen vermutlich das Training. Jedes Training hat den Anspruch, neues Verhalten oder sogar neue Kompetenzen in den Alltag zu integrieren. Basierend auf seinem Schöpfer und Entwickler wird jedes Training nach den vier Kreisen von Skeffinkton aufgebaut. Im Einzelnen bedeutet das, dass sich das Training um die Bewegung, die Vergenz, die Akkommodation und das Bewusstsein kümmern muss. Dabei kann das eine Übung sein, die alles berücksichtigt oder mehrere. In Europa wurden die Übungen von Sonja Vanhimbeeck und Stefan Collier aufgrund der eigenen Erfahrungen in Trainingsplänen zusammengestellt. Ich möchte in meinem Buch kein Visualtraining aus der Funktional-Optometrie näher erläutern und ohne Kontrolle zum Nachmachen empfehlen, aber ich gebe Dir einmal eine kleine Übersicht.

Es werden in der Funktional-Optometrie 5 Typen unterschieden.

                Allgemeines Defizit in den Basis Fähigkeiten

                Das lernverzögerte Kind

                Myopie

                Amblyopie

                Strabismus

Jeder Typ wird nach den Vorgaben der Methode aufwendig ermittelt und dann nach den Trainingsmethoden therapiert.

Trainingsmethoden:

Marsden Ball

Im Grunde ist das ein Tennisball an einer Schnur. Während man sitzt, liegt oder steht, wird dem Ball bei unterschiedlicher Amplitude beim Schwingen zugesehen.

Brock Schnur

Die Brock Schnur gibt es kurz und lang. Üblicherweise gibt es drei Kugeln in Grün, Rot und Gelb. Diese werden nacheinander fixiert.

Palmieren

Hierbei handelt es sich um das Abdecken der Augen mit der flachen Hand.

Anstrengung beim Lesen provozieren

Du musst einige Buchstaben lesen und dann wird ein Glas mit -2,0dpt vor Deine Augen gesetzt. Das erhöht die Anstrengung fast um das Doppelte. Diese Form der Übung kann mit einem Auge oder beiden zudem in unterschiedlichen Entfernungen durchgeführt werden.

Labyrinth

In vielen Rätselhaften gab es früher schon das Labyrinth. Zur Übung wird hierbei eine weiss/rote Brille und ein roter Stift benutzt.

Cheiroskop

Dies ist ein spezielles Gerät mit einem sehr einfachen Spiegel Prinzip, um eine räumliche Wahrnehmung zu provozieren.

Es werden verschiedene Übungen gemalt.

Van-Orden-Stern

Dieser ist auch in der Messreihe vorhanden und wird z.B.: am Biopter gemalt. 

Biopter

Der Biopter oder auch Stereoskop, zeigt 3D-Bilder. Diese werden zur Übung in unterschiedlichen Qualitäten und Richtungen angeboten

Diverse Vordrucke

Es gibt viele verschiedene Vordrucke auf Papier, die die Konvergenz üben lassen.

Computer 

Zusätzlich zur Papiervariante gibt es Unterstützungssoftware, die auf den gleichen Überlegungen basiert.

Ich habe hier nur einen kleinen Auszug der Visualtrainings zur Optimierung der allgemeinen Fähigkeiten aufgezählt. Es gibt eine fast unendliche Anzahl an Varianten. Das liegt daran, dass der Übende sich von Mal zu Mal steigern soll. Frei nach dem Motto „ohne Fleiss kein Preis“ muss das Training ständig angepasst und erschwert werden. 

Ein zusätzlich häufig genutztes Mittel ist die positive Veränderung der eigenen Wahrnehmung. Im Training darfst Du gelegentlich Wörter und Bilder visualisieren und Dir Sätze vorsagen, die Dich unterstützen sollen, wie zum Beispiel “Ich sehe alles gut, meine Augen funktionieren gut“. 

Viele der in der Funktional-Optometrie benutzten Trainings finden sich auch in der amerikanischen Ophthalmologie, aber eben nicht alle. In Japan und Russland werden ebenfalls viele dieser Übungen eingesetzt, sowohl unter Medizinern, wie auch bei Nichtmedizinern. Der Erfolg ist oftmals vorhanden. Der wissenschaftliche Beweis fehlt bei den meisten der Methoden bis heute. Einige Annahmen in der Entwicklung der Übungen sind heute widerlegt und auch im Ursprungsland der Methode als unwissenschaftlich eingestuft worden. Ich glaube, dass keines der Trainings einen schädlichen Effekt haben kann. In der Funktional-Optometrie wird aber ausdrücklich davor gewarnt, falsche Methoden anzuwenden. Zum Beispiel dürfen Menschen, die nach innen Schielen keine Übungen machen für Menschen, die nach aussen Schielen. Das wirkt erst mal vernünftig und wird vom Laien sicher nicht infrage gestellt. Der studierte Optometrist in Amerika vermutet aber, dass ein nach aussen Schielen fast immer seinen Ursprung in einem Problem und eine Überanstrengung nach Innen hat. Also haben wir vermutlich nicht zwei völlig verschiedene Probleme, sondern ein Problem und zwei Symptome. Im Rahmen der Komplementär-Optometrie wird kein Visualtraining im üblichen Sinne praktiziert, sondern wir suchen uns immer eine körperliche und visuelle Aufgabe, die uns als Hobby interessieren könnte. Sicherlich sind sportliche Aufgaben wie Tennis, Fussball und Hockey sehr gut geeignet. Ebenso dürfen es aber musikalische Aufgaben sein wie z. B. Klavierspielen, Gitarre spielen oder andere. Es kommt immer auf ein ausgewogenes Verhalten an. Zu viel ist vermutlich niemals gut. Aber ein Kind das pro Woche eine Stunde Tennis spielt und jeden Tag mindestens 2 Stunden an der frischen Luft ist, kann gerne auch am Tag 30 Minuten gamen.

Dreht sich aber das Verhältnis und das Kind konsumiert am Tag 6 Stunden digitale Medien, kann auch kein Visualtraining die visuellen Fertigkeiten optimieren. Das ist am Ende vermutlich ähnlich wie bei einer Diät. Egal, wie viel Sport und Bewegung ich habe, zum Abnehmen muss ich weniger Kalorien aufnehmen als verbrauchen. 

Ausbildungsweg und Anerkennung

BerufAusbildungStudienlage
AugentrainerDiverse private Weiterbildungen, kein anerkannter AbschlussKeine Beweise und seriösen Studien vorhanden, viele Vermutungen.
OrthoptistenAusbildungsberuf im dualen System – 3 Jahre – staatlich anerkannte BerufsausbildungViele langjährige Studien vorhanden, arbeitet mit dem Augenarzt zusammen.
OptometristenIn den USA ein Studium von bis zu 7 Jahren, Doktortitel in den USA, andere Länder auch Bachelor oder MastertitelFast 100 Jahre Erfahrung, dokumentiert in unzähligen Studien.
Funktional-OptometristenIn Deutschland und weltweit, eine Weiterbildung in wenigen Tagen bis Wochen, kein anerkannter AbschlussViele Studien und empirische Daten, allerdings in der Wissenschaft nicht anerkannt.

Im Buch Clinical Management of Binocular Vision von Scheinmann & Wick wird die Visualtherapie der amerikanischen Optometristen evaluiert. Die Behavioral Optometry von Skeffinkton wird von Barrett, in seinen Studien, bewertet. Die Funktional-Optometrie in Deutschland ist hauptsächlich seit 1998 von Stefan Collier über die WVAO eingeführt worden und hat sich vom Original auf Basis von empirischen Daten und persönlichen Erfahrungen entfernt. Heute ist die Funktional-Opto-metrie der WVAO tendenziell eher eine eigenständige Interpretation der moderneren Integrativen Analyse.  Daher sind beide zu unter-scheiden. Die BOAF als neuere Institution versucht wieder näher an das Original zu gelangen (siehe Seite 308).

In der Schweiz ist mir eine Sehtrainerin bekannt, die nach eigenen Angaben anerkannte Abschlüsse in Sehtraining und Augentherapie anbietet. Dieser besondere Fall liegt an der gesetzlichen Schieflage in der Schweiz. In fast keinem anderen Land wird alternative Medizin gleichwertig zur wissenschaftlichen Medizin anerkannt. Nach einer Abstimmung im Volk ist genau das aber in der Schweiz der Fall. Beide Philosophien leben partnerschaftlich nebeneinander. Die angebotene Augentherapie beruht zu einem grossen Teil auf Dr. Bates und Cranio-Sakrale-Therapie. Diese Therapie ist krankenkassen-anerkannt. Das verschafft dieser Methode einen wissenschaftlichen Anstrich, den sie nicht verdient hat.

Gelegentlich kommt es auch vor das Optiker Wortschöpfungen erfinden, wie ich ja auch. So gibt es in der Schweiz auch Augen-Kinäs-thetik oder Kinetik. Was das bedeutet und wie das funktioniert ist so kompliziert, dass nur der Erfinder es wirklich begreifen kann.

Ausschnitt aus den Behandlungen & Therapien

AugentrainerOrthoptistenOptometristenFunktional-Optometristen
 Okklusion- Therapie  
Entspannung-Übung   
 Vergenz-ÜbungenVergenz-ÜbungenVergenz-Übungen
  Akkommodation-ÜbungenAkkommodation-Übungen
  OkulomotorikOkulomotorik
 Orthoptik (Pleoptik)  
Biofeedback   
Unter-Korrektion   
Wegtrainieren von BrilleVerhindern einer AmblyopieVision TherapySicherstellen der besten Binokularität

Es bleibt für alle Beteiligten an dieser Stelle sehr schwierig, die Qualität der verschiedenen Optionen einzuordnen. Ich kann an allen Punkten etwas Gutes erkennen und habe mich für die Komplementär-Opto-metrie auch aus allen Disziplinen bedient.

Amerikanische Optometristen sind versiert in der Umsetzung von Vision Therapy. Diese hat das Ziel, das bestmögliche Sehen zu stabilisieren. Alle Methoden sind wissenschaftlich geprüft und werden schon sehr lange angewendet. Der deutsche Augenarzt kann in Kombination mit einem Orthoptisten auf ähnliche Erfolge blicken und ist daher in vielen Punkten gleichwertig. Augenübungen finden meiner Erfahrung nach aber in deutschen Praxen nicht ganz so viel Zustimmung. Das könnte natürlich damit zusammenhängen, dass in DACH oftmals selbst er-nannte Augentrainer und Funktional-Optometristen diese Übungen anbieten. Beide Berufszweige werden in einen Topf geworfen, was aber nicht ganz fair ist. Der Funktional-Optometrist arbeitet oft mit ähn-lichen Übungen wie der Doctor of Optometry in den USA. Allerdings fehlt den Funktional-Optometristen die wissenschaftliche Ausbildung.

Das Skurrilste, das ich bisher erlebt habe, war ein Physiotherapeut, der Augentraining mit Lochbrillen praktiziert hat. Auf Basis welcher Wissen-schaft ist mir allerdings unbekannt. Die Lochbrille taucht immer mal wieder im Focus der verschiedenen Sehtherapeuten auf. Es muss sehr deutlich vermutet werden, das diese Form der Visualtherapie keinen Nutzen für den Anwender hat.

Empfehlung zur Nutzung von digitalen Medien

Jeder Mensch soll bitte am Tag maximal das vierfache an Minuten seines Alters hinter einem PC, Smartphone oder ähnlichen hängen. Ausgenommen sind beruflich oder schulische Verpflichtungen. Da 30 Minuten Screentime mit 2 Stunden Sonnenzeit ausgeglichen werden, muss jede Minute mehr am PC gleichwertig kompensiert werden.

Wenn Du 20 Jahre alt bist kannst du also 80 Minuten digitale Freizeit geniessen. Wenn Du 3 Jahre alt bist, hast Du 12 Minuten am Tag zugute.

Jede Minute mehr am Bildschirm muss mit 4 Minuten an der Sonne kompensiert werden.


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