Kontaktlinsen und Pflegemittel

Wer hat‘s erfunden?

1880 konstruierte ein Mann namens Adolf Eugen Fick in Zürich wahr-scheinlich die allererste Neuzeit-Kontaktlinse. Fick war allerdings gar kein Schweizer, sondern wurde in Kassel geboren. Ideen zu Kontakt-linsen und Experimente gab es aber schon vorher von Persönlichkeiten wie Goethe und Leonardo da Vinci. Herr Fick legte die erste Kontaktlinse aus Glas seinem Kaninchen auf die Augen. Es ist nicht überliefert, wie der Nager reagiert hat. In Kiel hat dann ein Hr. Wöhlk die Sache in den 1940ern etwas bequemer gemacht und die Linsen aus Plexiglas angefertigt. 1960 hat Otto Wichterle in der Tschechoslowakei dann die ersten weichen Linsen hergestellt. Dann hat aber doch noch eine echte Schweizerin namens Jacqueline Urbach mitgemischt und 1966 in den USA die farbigen Linsen erfunden und vertrieben. Zudem hat sie massgeblich den Erfolg der Linsen begründet, als sie 1974 das Patent für die ersten serienmässig herstellbaren Linsen erworben hatte und diese dann 1975 in Amsterdam produziert hat und dann ab 1977 mit Genehmigung der FDA in den USA vertreiben durfte. Das war vermutlich der Startschuss des heutigen Hightech Produktes.

Heutige Kontaktlinsen und die dazugehörigen Pflegemittel sind eine Schöpfung unserer neuen und mobilen Zeit. Allerdings auch ein Lifestyle-Produkt das nicht zwingend erforderlich ist. Alle Korrekturen können auch mit einer Brille versorgt werden. Gut, ich gebe zu, es gibt unregelmäßigen Astigmatismus und spezielle Deformationen der Hornhaut (Keratokonus), die formstabile Linsen besser korrigieren.

Das was wir heute an Materialien verwenden ist etwa seit den 80er-90er Jahren am Markt etabliert. Es handelt sich in jedem Fall bei weichen wie auch bei formstabilen Linsen immer um einen Kunststoff. Formstabile Linsen früher auch hart, halb hart oder gasdurchlässig benannt, bestehen aus viel Plastik und wenig Wasser. Weiche Linsen haben wenig Kunststoff und viel Wasser. Je mehr Wasser eine Linse hat, desto spontanverträglicher ist sie. Aber nicht gesünder oder besser verträglich. Weichen Linsen mit viel Wasser haben bei schlechter Pflege und unsachgemäßer Handhabung ein Hygieneproblem. Formstabile Linsen sind scheinbar weniger sensibel bei der Reinigung. 

Weiche Linsen bezeichnet man auch gerne als Hydrogel, also gelee-artiges Wasser. Diese haben einen guten Komfort, aber der für das Auge notwendige Sauerstoff kann nicht durch die Linse hindurch. Weswegen diese Linsen immer kürzer auf dem Auge bleiben sollten. Das hat man Mitte der 90er Jahre optimiert, indem man einen Teil des Wassers durch Silikon ersetzt hat. Diese modernen Silikon-Hydrogel-Linsen sind nun sauerstoffdurchlässiger und für ein längeres Tragen vermeintlich gesünder. Neue Studien belegen in hoher Masse, das Kunden bei Silikon-Hydrogel-Linsen häufiger Entzündungen am Auge haben als bei den klassischen Hydrogel-Linsen. Über die Ursache streiten sich die Hersteller. Seit 1999 hat es keine Optimierung mehr gegeben, neuere Linsen sind immer nur eine Variante der vorhandenen Systeme. Wir stecken also seit fast 20 Jahren fest und kommen nicht weiter. Eine Revolution scheint nicht in Sicht zu sein. Zwar gab es zuletzt eine neue Kontaktlinse, bei der der Kern aus Silikon besteht und die Hülle aus Hydrogel, also einem Hybriden, aber revolutionär erscheint mir das nicht. Auch gibt es ganz neu Kontaktlinsen mit der farbverändernder Eigenschaft, wie wir sie von Brillen kennen. Diese phototropen Kontaktlinsen sind mir aber eher eine unglückliches Mark-etingprodukt als ein Verkaufsschlager.

Formstabile Linsen sind zwar mit weniger Wasser auf dem Auge spon-tan unangenehmer, langfristig bei guter Pflege aber die beste Wahl. Der Sauerstoff kann ungehindert unter der Linse hindurch. Ebenso sind diese Linsen oftmals sehr sauerstoffdurchlässig. Aber bei allen Linsen gilt: Eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit (besonders bei weichen Linsen) ist nur bei einer sauberen Linse gewährleistet, deren Poren offen sind. Eine wichtige Frage an dieser Stelle ist schwer zu beantworten und wurde daher bis heute in keiner mir bekannten Studie seriös erklärt.

Wieviel Sauerstoff braucht den mein Auge?

Genau weiss das keiner. Wenn wir schlafen entsteht eine 4% Quellung der Hornhaut, diese wird als verträglich und natürlich bezeichnet. Daher dürfen Kontaktlinsen keine höhere Quellung erzeugen. Dazu ist eine Sauerstoffdurchlässigkeit erforderlich, die diesen Effekt am Auge erreicht oder begünstigt.

In der Kontaktlinsenwelt wird dieser Parameter als DK/t bezeichnet. Dieser Wert gibt an, wie viel Sauerstoff durch das Material kommt. Bei geöffnetem Auge reicht ein DK/t von 24. Das haben alle modernen Kontaktlinsen. Wer gelegentlich seine Augen schliessen möchte, also mit der Linse auch mal einen Mittagsschlaf abhalten möchte, braucht mindestens einen DK/t von 87. Diesen Wert erreichen auf alle Fälle alle Silikonhydrogel-Linsen. Diese Werte stammen aus einer Vielzahl von verschiedenen Studien und sind sicherlich sehr gut erforscht. Allerdings weiss auch jeder Forscher dass die Angaben von individuellen Beding-ungen am Kundenauge abhängig sind.

Ich behaupte jetzt einfach so, ohne Linsen auf dem Auge ist es gesünder, egal, welche Linse Du trägst. Wenn Du Linsen tragen möchtest oder glaubst sogar, Du musst, dann nur und wirklich nur, wenn Du auch regelmäßig zur Kontrolle bei Deinem Optiker oder Augenarzt gehst. Das bedeutet konkret alle 6 Monate. 

Formstabile Linsen und weiche Linsen benötigen alle ein Reinigungsmittel und eine Aufbewahrungslösung. Pflegemittel für form-stabile Linsen dürfen nicht für weiche Linsen benutzt werden, weil sie stärker konzentriert und die Desinfektionsmoleküle meist kleiner sind und sich somit in die Linse einlagern können. Die einzigen Linsen, die keine benötigen, sind Tageslinsen, also Linsen zum einmaligen Gebrauch, die nach dem Entfernen entsorgt werden. Persönlich würde ich diese immer für den gelegentlichen bis täglichen Gebrauch bevorzugen, beim täglichen Gebrauch aber auch immer formstabile Linsen in Betracht ziehen.

Ökologisch sind nach vielen Studien keine Linsen. Es handelt sich immer um Kunststoff und Pappverpackung, bei Austauschsystemen auch noch um Plastikflaschen für die Reinigung. Nimmt man das alles und vergleicht, sind Monatslinsen vermutlich ökologischer als Tageslinsen. Am Auge sind aus hygienischen Gründen aber Tageslinsen immer besser geeignet.  Eine ausserordentlich wichtige Regel für die Entsorgung ist: KL und Pflegemittel nur im Hausmüll entsorgen. Nicht in die Toilette oder ins Waschbecken werfen. Das Mikroplastik der Linsen darf nicht in den Wasserkreislauf gelangen.

Für alle Linsen, bei denen eine Reinigung erforderlich ist, entsteht immer die Frage: Was ist das beste Produkt? Gibt es Unterschiede zwischen den Preisen und der Intensität?

Ja! Es gibt sogenannte All-in-One-Produkte, die behaupten, alles auf einmal zu können, doch das ist ein Trugschluss. Niemand kann alles. Ein separater Reiniger ist immer besser als eine Allzwecklösung. Wir putzen ja  sicherlich auch den Holztisch und die Toilette nicht mit dem gleichen Reiniger.

All-in-One-Produkte sind zudem nicht einfacher in der Anwendung, denn eine seriöse Reinigung erfolgt nur bei korrekter Anwendung der Handhabungshinweise des Herstellers und dieser schreibt vor, die Linsen manuell abzureiben, und zwar bis zu 20 Sekunden pro Linse. Das Einhalten der Regeln bezeichnet der Optiker als Compliance. Also muss ich jeden Abend meine Linsen putzen und wenn ich das nicht mag, dann sollte ich ein Peroxid-System nutzen, das diesen Schritt vermeintlich überflüssig macht. Wasserstoffperoxid in 3%iger Lösung desinfiziert erheblich stärker und tötet 99,99% aller krankheitserregenden Keime ab. Kosmetikreste würden aber auf der Linse verbleiben und ein manuelles Reinigen wäre immer noch nötig. Lidschatten kann sogar in das Material eindringen und eine Linse völlig unbrauchbar machen. Und so kann es sein, dass auch bei einem Peroxid System ein zusätzlicher Oberflächenreiniger erforderlich wird.

Es gibt viele zusätzliche Reiniger wie beispielsweise Tensid-Reiniger und Alkohol-Reiniger. Lass Dich immer von einem Experten beraten und kaufe niemals in der Drogerie, sondern nur bei Deinem Linsenanpasser. Wenn Du glaubst, nur teure Produkte zu kaufen, die Du nicht brauchst, dann wechsle bitte Deinen Linsenanpasser oder sprich mit ihm. Probiere niemals selbstständig irgendwelche Kombinationen aus. Allerdings muss man das mal sehr ehrlich betrachten, der Experte kann auch nur ein System nach dem anderen ausprobieren und bei der Kontrolle Vorteile und Nachteile erkennen. Es wurde und wird immer wieder versucht, eine Übersicht zu erstellen, welche Linse mit welchem Pflegemittel funktioniert und welche nicht. Das ist insoweit unmöglich, da jeder Mensch eine andere Voraussetzung mit sich bringt und demnach jede Linse auf jedem Auge anders funktioniert. Die mir bekannteste Studie, die oft zitiert wird, ist die Andrasko-Studie aus den USA, die mit viel Liebe zum Detail und Energie gemacht wurde, leider nach wissenschaftlichen Bedingungen nicht stimmig und nachhaltig genug. Was diese Studie und viele andere aber immer wieder zeigen ist, dass im Grunde alle Pflegemittel, wenn richtig angewendet, immer ausreichend Reinigung und Desinfektion mit sich bringen. Welches also für Dich am besten ist, kannst Du nur in Zusammenarbeit mit Deinem Linsenanpasser erkennen. Dafür musst Du aber regelmäßig dorthin gehen.

Ich habe einmal von einem geschätzten Kollegen gelesen, dass Linsen-anpassen etwas Intimes ist und deswegen nicht schnell abgearbeitet werden darf. Es sollte Zeit und Geld kosten, wenn sich jemand um Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen bemüht. Schnell, schnell und kostenfrei kann hier nicht die Lösung sein. Solche Anpassungen sind meiner Meinung nach nicht seriös. 

Die Kontaktlinse ist in Deut-schland etwa bei 5% aller Kun-den angekommen und in der Schweiz bei knapp 18%. Das zeigt, dass dieses Lifestyle- Produkt auch etwas mit den Finanzen zu tun haben könnte.

Auf Basis der Andrasko-Studie  und Ergebnissen von Stiftung Warentest und K-Tipp habe ich, eine um die Inhaltsstoffe er-gänzte Übersicht erstellt. Eine lesbarere Variante kannst Du im Anhang finden.

Auch sollte dein KL-Experte eine Vielzahl von modernen Geräten haben, um das Auge sinnvoll und seriös über die Jahre verfolgend zu beurteilen. Aber das Wichtigste scheint die Kontrolle mit Fluoreszein zu sein. Hierbei wird die Tränenflüssigkeit angefärbt, um eventuelle Veränderungen besser zu erkennen. Da alle beteiligten Partien am Auge transparent sind, lässt sich erst durch das Anfärben vieles erkennen. Eine Kontrolle ohne Färbung ist meiner Meinung nach keine Kontrolle. Das tönt ausnahmsweise doch etwas streng von meiner Seite, aber in der Ansicht zur Gesundheit der Augen mag und kann ich keine Kompromisse eingehen. Zur Ergänzung muss man aber auch sagen, dass Fluoreszein zu einer Photosensitivitätsreaktion führen kann. Nach der Zugabe dieses Vitalfarbstoffes sollte der Kunde nicht unmittelbar direkt in die Sonne schauen oder auf den Gletscher fliegen. Allerdings ist der Effekt laut wissenschaftlichen Belegen sehr selten und bereits wenige Minuten nach der Vergabe wieder weg. Der Effekt von Aspirin auf das Auge ist schwerwiegender und langanhaltender. Zudem die meisten Kunden mehr Aspirin nehmen als Fluoreszein. Es gab aber einige Studien in denen man auch Juckreiz, Übelkeit, Krämpfe, Schock und Herzstillstand auf die Vergabe von Fluoreszein reagierte. Aber bevor jetzt Panik entsteht, das war eine intravenöse Vergabe dieses Farbstoffes. In der Augenoptik wird das Präparat in flüssiger Form auf das Auge geträufelt, ein Risiko besteht daher nicht. Einige Augenoptiker vermeiden die Anwendung bei Schwangerschaft, das ist übertriebene Vorsicht. Es gibt keine Belege für Komplikationen.

Kommen wir noch mal zum Pflegemittel. Alle, ja wirklich alle Pflege-mittel beinhalten Konservierungsmittel. Es ist bei einigen Konser-vierungsmitteln nur so, dass diese als Zusatz für Pflegemittel nicht extra als Konservierungsmittel angegeben werden müssen. Demnach bein-halten alle Produkte Konservierungsmittel, auch wenn etwas Gegen-teiliges darauf steht. 

Soweit ich das abschätzen kann, ist das im Grunde auch kein Problem, denn ein längeres-haltbar-machen ist per se ja nichts schlechtes. Salz ist auch ein Konservierungsmittel und wir verwenden es täglich. Es sind die chemischen Verbindungen, die in einigen Pflegemitteln zu Kom-plikationen führen.

Das nach Gebrauch nicht verschließen von KL-Pflegemitteln senkt den pH-Wert durch die Reaktion mit CO2 aus der Luft. Dies führt zur Bildung von natürlicher Kohlensäure H2CO3 und dieser Effekt schadet ver-mutlich mehr als die Konservierungsmittel. Aber es darf nicht vergessen werden das einige dieser Mittel auch im Verdacht stehen die Trockenheit am Auge noch weiter voranzutreiben.

Einige Inhaltsstoffe aus Pflegemittel und Kontaktlinsen:

ProduktnameAlternativeFunktion
Aldox Myristamidopropyldimethylamine MAPDbakterizid, fungizid, antistatisch
AlexidinAlexidine DihydrochlorideDesinfektion
AlginNatürlicher Wirkstoff aus MeerespflanzenBenetzer
AllantoinGlyoxylsäurediureidZellregeneration
Amino- methylpropanolIsobutanolamin (Gruppe: Alkohol)Hilfsstoff 
AqualubSchmierstoff aus der Metall-IndustrieReduktion von Ablagerungen durch Lipide und Proteine
BenzalkoniumchloridAuch in Sagrotan oder Schwimmbädern zu finden.Desinfektionsmittel
Bio Polydol 2Derivat von PHMBKonservierung
Bis-Tris-PropaneBiologischer PufferPuffer/ Desinfektion
BorsäureOrthoborsäurePuffer/Isotonisierung
CetrimoniumbromidWirkt in Kombination mit PolyhexanidDesinfektionsmittel
ChlorhexidinGuanidin-Derivat mit Zellmenbran schädigender WirkungDesinfektionsmittel
DexpanthenolPantothenol, D-Panthenol, Provitamin B5Zellregeneration
DextraneDextrane 70Benetzung
Dinatrium-EDTAEthylendiamintetraessigsäure, Disodium EDTA, Tetrasodium EDTA, Sodium EDTA, EDTAHilfsstoff, Konservierung
H2O2 3% Wasserstoff Peroxid, DihydroxidDesinfektion
HexetidinFindet auch Anwendung im MundwasserDesinfektionsmittel
HPMCHydroxypropylmethylcellulose, HypromelloseEmulsionsstabilisator
HyaluronatHyaluronsäureBenetzer    
Hydraglyde PolyoxyethylenpolyoxybutylenBenetzer
HydraGlyde MatrixEOBO-21 -PolyoxyethylenpolyoxybutylenBenetzer
HydroxyetylcelluloseHEC, findet sich auch im TapetenkleisterEmulsionsstabilisator
HypromelloseHydroxypropylmethylcellulose, HPMC, CelluloseetherEmulsionsstabilisator
MethylcelluloseMCEmulsionsstabilisator
MoistureLocKombination aus Polyquaternium 10 und Poloxamin 407Benetzung
Na dihydrogenphosphatNatriumbiphosphatPuffer
NaClNatriumChlorid, SodiumChlorid, Kochsalz, PuriteHilfsstoff, Konservierung
Na-EDTAEthylendiamintetraessigsäure, Disodium EDTA, Tetrasodium EDTA, Sodium EDTA, EDTAHilfsmittel, Konservierung
NatriumcitratE 331Säureregulator
NatriumtetraboratBorax, E 225, Natriumborat,KaliumsulfitFungizid, toxisch
OcuPureZerfällt bei Kontakt mit Licht und SauerstoffKonservierung
PHMBPolyhexamethylphosphonsäure, Polyhexanid, BigunaideKonservierung, Desinfektionsmittel
PhosphatePhosphate sind die Salze und Ester der Orthophosporsäure H3PO4Hilfsstoff
Phosphonic AcidAminomethylphosphonsäure, Phosphonsäure,Desinfektion
PluronicPolaxamer,schaum-dämpfende nichtionische Tenside  Tensid
Polixetoniumchloridwird bei formstabilen Linsen genutztDesinfektionsmittel
PoloxamerPoloxamin, Polocamin, Poloxamer 188 + 407, PloronicTensid
PolyethylenglycolPEGBenetzer
Polyquad Polyquaternium, PolidroniumchloridKonservierung
PolyvinylpyrrolidonPVP, E1201Benetzer
PolyquaterniumPolyquadDesinfektionsmittel
SorbitolE 420, ZuckeralkoholBenetzer
SulfobetainSultaineProteinlöser
TearglydeKombination aus Poloxamin und Nonanoyl-EthylendiamintrieessigsäureBenetzer
Teronic 1304EOBO-41Benetzer
ThiomersalDem Mittel wurde in der Vergangenheit eine gesundheitliche Gefährdung zugesprochen, die nicht bestätigt werden konnte.Konservierungsmittel
TrometamolTromethaminPuffer

EDTA wird seit den 1940ern auch in einer Chelat-Therapie eingesetzt. Dieses Mittel kann verschiedene Metalle binden und wurde und wird Patienten zur Reinigung der Arterien gespritzt. Das Verfahren ist höchst umstritten und hat laut seiner Gegner bereits seit den ersten Anwendungen, besonders aber in den 80ern Todesopfer gefordert. In der Lebensmittelindustrie und in den Kosmetikprodukten wird dieser Hilfsstoff sehr gerne eingesetzt.

Seit einiger Zeit machen viele Linsenhersteller in der Fachwelt viel Werbung für die innovative Integration von Polyvinylpyrrolidon (PVP) in das Linsenmaterial. Dieser Stoff ist nach dem zuständigen internationalen Verbund nicht klassifizierbar und wird daher als unbedenklich eingestuft. Die französische ARTAC (Association pour la Recherche Thérapeutique Anti-Cancéreuse) hat PVP auf der Liste der vermutlich krebserregenden Stoffe aufgelistet. Das PVP findest Du auch unter der Bezeichnung Copolymer 845 oder 937 und 958 in diversen Kontaktlinsen und Pflegeprodukten.

Multifokale Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind en vogue und sehr günstig in der Produktion. Die Gewinnmarge der Hersteller muss gigantisch sein. Die der Optiker ist katastrophal gering. Das liegt vermutlich daran, dass ca. 30 % der Linsen im Internet gekauft werden und die Kunden heute auch nicht mehr geschäftstreu sind. Das muss auch nicht sein, allerdings sollten die Augen regelmäßig beim Experten kontrolliert werden. 

Um das Geschäftsfeld dem Optiker wieder schmackhaft zu machen, haben sich wohl die multifokalen Linsen entwickelt. Nun ja zudem sind das auch gute Kunden: Sie sind zwischen 40 und 55, die Kinder sind aus dem Haus, das Geld ist vorhanden und der Lifestyle noch sportlich und jung. Ein guter Kunde ja, allerdings nicht für Kontaktlinsen, meine ich. Je älter wir werden, umso sensibler sind die Augen, also genau genommen eine Kontraindikation. Das erklärt auch die signifikanten Unterschiede zwischen der Werbung und der Realität.

Zwischen 2012 und 2019 wurde ich jedes Jahr von allen Herstellern da-rüber informiert, das multifokale Linsen besser sind als ihr Ruf und gut funktionieren. Es seien die Optiker, die sich falsch verhalten, würden wir nur das machen, was der Hersteller sagt, würde alles funktionieren. Laut einigen Anbietern wären 95% aller Kunden zufriedener. 

Meine persönliche Erfahrung ist eine andere. Ich kenne zwei kleine, unveröffentlichte Studien, bei denen einmal 36% und beim zweiten
65% der Kunden zufrieden waren. Also im Schnitt jeder Zweite kommt damit zurecht, mehr schlecht als recht. Moderne multifokale Linsen oder neu auch „Gleitsichtlinsen“ genannt, als ob ein neues Wort dem Kunden die Verträglichkeit besser macht, nehmen jedem Kunden in Schnitt etwa 20% vom Kontrast. Damit sehen wir Gesichter schlechter, Nachts beim Autofahren schlechter, lesen schlechter und können uns im Raum schlechter orientieren. Die Peripherie sinkt im Schnitt um 50%, was ein Problem unserer natürlichen Wahrnehmung ist. All diese Einschränkungen der Wahrnehmung sind mühsam, werden aber immerhin von 50% der Kunden akzeptiert. Das ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass man nicht alles sehen muss, um zufrieden zu sein. Ein weiteres häufiges Problem ist es, das wir, je älter wir werden, umso sensibler am Auge sind. Ein Problem ist die erhöhte Lipidmenge bei zunehmendem Alter. Lipid ist ein funktioneller Stoff, eine ölige Subs-tanz, die das Auge vor dem Austrocknen schützt. Nicht bei allen, aber bei vielen Menschen ändert sich das für das Tragen von Kontaktlinsen nachteilig. Wenn wir dann noch älter werden, über 60 oder 70, kommt es oft vor, dass wir trockene Augen haben, was auch mit der ungünstigen Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit zusammenhängt. Spätestens jetzt trägt vermutlich kaum ein Kunde seine Linsen dauerhaft. Viele Kunden klagen deswegen mit den Linsen über trockeneren Augen und Komfortprobleme, die vielleicht in jüngeren Jahren nicht vorhanden waren. 

Multifokale Linsen sind eine Option, aber keine Lösung für jeden Kunden. Ein Versuch ist immer möglich und wenn man seine Brille nicht leiden kann oder aus speziellen Gründen nicht tragen möchte immer einer Option wert. Ebenfalls kann man mit Orthokeratologie, dem aktiven Ändern der Hornhaut, seine Sehfähigkeit optimieren. Das kann man auch multifokal versuchen. Es gibt bei jedem System eine Möglichkeit für ein gutes Gelingen, aber niemals eine Garantie. Der Versuch macht klug.

Die Anpassung von Kontaktlinsen ist ein sensibler Prozess, ein intimer Eingriff in Deine Wahrnehmung und Gesundheit. Deswegen empfehle ich regelmässig einen Experten aufzusuchen, dem man vertraut. Und sich dort auch regelmäßig zur Kontrolle zu begeben, das bedeutet alle 6 Monate. Teurer ist nicht zwangsweise besser, aber umsonst kann auch nicht funktionieren. Was kostet es Dich, Dein Auto in der Werkstatt inspizieren zu lassen? Deine Augen sollten Dir mindestens das doppelte wert sein. Multifokale Kontaktlinsen bieten beiden Augen zur gleichen Zeit mindestens ein Bild in der Ferne und ein Bild in der Nähe. Dieser Mehraufwand wird nicht von allen Trägern gleich gut akzeptiert. Eine andere gute Möglichkeit ist es daher, ein Auge für die Ferne zu versorgen und ein Auge für das Lesen, wir nennen das Monovision. Eine Studie aus 2003 beschreibt, das 68% multifokale Linsen gegenüber Monovision 25% bevorzugen. Die Studien sind allerdings meistens wertlos, weil sie nur optische Parameter vergleichen oder die Akzeptanz der Kunden. Eine gute randomisierte Cross-Over-Doppelblindstudie zeigte keine Unterschiede in den beiden Systemen und wird vermutlich daher von der Industrie nicht benannt. Die meisten Hersteller geben eine Verträglichkeit von über 90% an. Woher diese Zahlen stammen, weiss aber keiner, Studien dazu werden nicht offengelegt und die Zahlen sind reine Werbestrategie. Seriöse Studien geben einen Wert zwischen 13% und 70% zufriedene Kunden an.

Die Realisierbarkeit von beiden Systemen ist abhängig von so vielen Faktoren, dass es sich annähernd als Glückssache bezeichnen lässt. Einzig bei einem Glaukom ist von einer Monovision abzuraten, weil bereits das Stereosehen krankheitsbedingt eingeschränkt ist. Ebenso lassen sich Additionen von 1dpt noch gut anpassen, ab 2dpt fällt das erheblich schwerer. Der erlernte Prozess von Akkommodation und Konvergenz (AC/A) wird nachhaltig sabotiert und verursacht Probleme.

Multifokale Linsen werden seit einigen Jahren auch zweckentfremdet und zur Myopie Prävention bei Kindern eingesetzt. Das ist erfolgreicher, als man es erwarten könnte, aber Kinder reklamieren auch bei mangelndem Sehkomfort nicht so intensiv wie Erwachsene. Und wenn sie reklamieren, nehmen die Erwachsenen das vermutlich nicht immer ganz ernst. Es gibt grossartige Erfolge mit solchen Linsen, die zeigen, dass man die Kurzsichtigkeit damit verlangsamen kann. Eine Verlang-samung geht aber nicht mit einem Rückgang oder einem Abstoppen einher, sondern eben nur mit einem langsameren Verlauf, was aber auch ein sinnvoller Erfolg ist.

Bisher haben Linsenhersteller alle ein ähnliches Design produziert. Entweder war die Ferne in der Mitte der Linse und die Nahstärke Drumherum. Oder eben die Nähe in der Mitte, was zumeist der Fall ist. Seit einigen Monaten gibt es nun, in Europa, auch noch ein EDOF-System. Hinter dieser Abkürzung versteckt sich nichts anderes, als einen optischen Trick für die Tiefenschärfe auszunutzen. Diesen Effekt kennen vor allem Menschen, die Fotos noch mit einer Kamera machen und nicht nur mit dem Handy. Der Effekt ist in der Optik dokumentiert seit der Camera obscura, die Aristoteles bereits im 4. Jahrhundert v. Christus beschrieben hat. Also nun wirklich keine neue Idee. Allerdings in der Umsetzung als multifokale Kontaktlinse scheint es ein hervorragender Erfolg zu sein, wenn wir dem Hersteller glauben dürfen. Es wird sich zeigen, ob sich das neue System durchsetzt. Aktuell ist es ein Hersteller in Europa, der Linsen in dieser Art anbieten kann, diese haben demnach auch einen exklusiven Preis. Die Idee wird seit vielen Jahren erfolgreich in den intraokularen Linsen benutzt (IOL, Kunst-stofflinse, die der Augenarzt einsetzt bei grauem Star).

Es gibt einige Optometristen, die vermuten, dass man ein verstecktes Schielen nicht nur mithilfe der bekannten Prismen optimieren kann, sondern auch mit der Addition, die in einer multifokalen Linse zu finden ist. Der Gedanke ist gar nicht abwegig. Es kommt auf die prismatische Richtung an. In der Komplementär-Optometrie kommen auch Wellness-Gläser zum Einsatz die binokulare Probleme mit Addition unterstützen, statt mit Prisma (siehe Seite 297).

Trockenes Auge

Das ist ein Thema, das fast alle Menschen betrifft und daher auch den cleveren Geschäftsmann interessiert. Es gibt in der Optometrie und Ophthalmologie eine Unmenge an Testverfahren, um ein trockenes Auge zu bestimmen. Zu diesem Zweck werden invasive oder minimal invasive Messmethoden angewendet, um die Qualität, Quantität und Beschaffenheit zu beschreiben. In Optikersprache sind das Dinge wie LIPCOF, NIKBUT oder BUT. Diese Methoden bringen aber keine ein-deutigen Ergebnisse zutage, selbst wenn ein fleissiger Optiker alle Methoden beherrscht, anwendet und in Rechnung stellt. Die einzige beste und sicherste Art ein trockenes Auge zu erkennen, ist es den Menschen zu fragen, ob er eines hat.

Der Augenarzt, nicht der Optiker, kann zudem pathologische Veränderungen am Auge diagnostizieren. Das Sjöregren-Syndrom eine systemische Erkrankung ist ein hyposekretorisches trockenes Auge und bedarf gewisser Medikamente. In die gleiche Gruppe gehören auch rheumatoide Arthritis, Polyarthritis, Lupus M. Wegener, Sklerose und Bindegewebserkrankungen. Hier brauchen wir einen Arzt. Bei Tränendrüsenmangel, altersbedingten trockenen Augen oder auch hypoevaporativen trockenen Augen durch eine Funktionsstörung der Meibomdrüsen verursacht, können auch künstliche Tränen helfen. Der Optometrist ist meiner Erfahrung nach nicht geeignet und gar nicht dazu ausgebildet eine Differenzierung dieser Probleme zu erkennen. Daher ist das trockene Auge zwar in den allermeisten Fällen etwas Natürliches, aber die Diagnose gehört in dafür ausgebildete Hände.

Wurde dann ein nicht-pathologischer Befund getroffen, können neben den Augentropfen auch andere Produkte und Hilfsmittel eingesetzt werden. Wärmebehandlung mit Wattepads, Massage der Augenlider, Reinigung der Lidkante, Hyaluronsäure, Dexpanthenol, Polyvinylalkohol, Vitamin-A, Omega-3, Steroide.

Kontaktlinsenträger klagen je nach Quelle zwischen 5 und 50% über trockene Augen, während nicht Linsenträger im Schnitt nur 21% unter trockenen Augen leiden. In Kontaktlinsen wird daher sehr oft Poly-ethelenglykol eingebaut, um eine bessere Benetzung zu gewährleisten.

Eine Erklärung, warum Kontaktlinsenträger trockenere Augen haben, könnte das Ladungsproblem von Kontaktlinsen sein. Im Auge hat es positive geladene Lysozyme die sich gerne an der negativ geladenen Linse anlagern. So wird der natürliche Tränenfilm destabilisiert und die Kontaktlinsenträger leiden häufiger unter trockenen Augen. Auch die Konservierungsmittel haben an der Trockenheit einen Anteil.


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