Brillenfrei-Esoterik

Gleich vorab eine wichtige Klarstellung

Ich möchte zu Beginn etwas zum Begriff Esoterik sagen.
Ich persönlich verstehe Esoterik eigentlich anders, als sie heute häufig verwendet wird. Menschen, die sich ernsthaft mit Spiritualität, alternativen Weltbildern oder esoterischen Ansätzen beschäftigen, haben meinen Respekt und geniessen meine volle Anerkennung.

Wenn ich im Folgenden jedoch von „Brillenfrei-Esoterik“ spreche, nutze ich diesen Begriff bewusst in seiner heute gebräuchlichen, eher abwertenden Bedeutung. Nicht, um Esoterik pauschal zu diskreditieren, sondern um meine klare Haltung gegenüber bestimmten Brillenfrei-Versprechen zum Ausdruck zu bringen.

Die Personen und Programme, die ich hier meine, sind keine spirituellen Suchenden, sondern Anbieter von Heilsversprechen, die entweder aus mangelndem fachlichem Verständnis handeln
oder bewusst mit irreführenden Aussagen arbeiten.

Im ungünstigsten Fall bewegen wir uns hier im Bereich scharlatanischer oder zumindest unseriöser Geschäftsmodelle.

Brillenfrei-Ansätze sind keine homogene Gruppe

Wichtig ist mir eine Differenzierung: Brillenfrei ist kein einheitliches Konzept. Die Ansätze stammen von sehr unterschiedlichen Personen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen.

Ein klassisches Beispiel ist „Vergiss deine Brille“ von Leo Angart.
Angart kommt ursprünglich aus dem Business- und Coaching-Bereich und verfügt über keine medizinische oder optometrische Ausbildung. Seine Inhalte basieren im Wesentlichen auf frei zugänglichen Quellen und älteren Konzepten allen voran auf „Perfect Sight Without Glasses“ von William Horatio Bates, erstmals veröffentlicht 1920.

Bates trug zwar einen Doktortitel doch ein Titel allein ist keine Garantie für wissenschaftliches Arbeiten. Die meisten seiner Theorien gelten in der heutigen Augenheilkunde und Optometrie als klar widerlegt.

Alte Ideen, immer neu verpackt

Auch Autoren wie Mirzakarim Norbekov oder Harry Benjamin bewegen sich in ähnlichen Denkmustern. Trotz teils beeindruckender Lebensläufe bleiben ihre Interpretationen von Augentraining methodisch schwach, diagnostisch unsauber und wissenschaftlich nicht belastbar.

Bei Lisette Scholl, deren Bücher sogar in renommierten Sachbuchverlagen erschienen sind, finden sich durchaus sinnvolle, richtige und gut gemeinte Ansätze. Problematisch wird es jedoch dort, wo der Eindruck entsteht, man könne eine Fehlsichtigkeit wegtrainieren.
Dieser Grundgedanke ist wissenschaftlich eindeutig widerlegt.

Das Gleiche gilt für Vertreter wie John Selby. Wer mehrere dieser Bücher liest, erkennt schnell ein Muster: Es sind oft seit über 100 Jahren nahezu unveränderte Inhalte, mal mit Verweis auf angeblich 3000 Jahre alte indische Traditionen, mal mit dem Etikett „neurowissenschaftlich“ oder „modern“.

Moderne Begriffe aber keine neue Substanz

Ergänzend möchte ich das Buch „Sehkraftverlust jetzt stoppen“ von Bruce Fife nennen. Ein Autor, der in anderen Publikationen unter anderem auch behauptet, Kokosöl könne nahezu alle gesundheitlichen und teils sogar gesellschaftlichen Probleme lösen. Spätestens hier sollte klar werden, wie vorsichtig man mit solchen Quellen umgehen muss.

Besonders kritisch wird es bei aktuellen Online-Anbietern, die gerne auch unter dem Label „Augentraining“ auftreten. Hier werden Programme zu Kurskosten von mehreren hundert Euro verkauft, oft begleitet von grossen Teilnehmerzahlen und emotionalem Marketing. Kritisch ist es weil hier gute Entspannungsübungen mit Heilsversprechen daherkommen die bis heute (31.01.2026) nicht belegt sind.

Mir geht es dabei nicht um Neid, nicht um Bashing und nicht um persönliche Angriffe.


Mein Ziel ist ein anderes:
👉 Ich möchte weitere Menschen davor bewahren, in unseriöse Hände zu geraten.

Denn Versprechen wie
– „In 21 Tagen besser sehen“
– „Brille dauerhaft überflüssig machen“
– „Augen neu programmieren“

haben kein medizinisches Fundament.

Besonders perfide ist, dass sich viele dieser Angebote hinter Begriffen wie „Neuro“, „Wissenschaft“, „Coach“ oder „Trainer“ verstecken. Diese Bezeichnungen klingen kompetent, sind jedoch nicht geschützt und sagen über fachliche Qualifikation oft wenig bis nichts aus.

Was stattdessen sinnvoll, seriös und wirksam ist

Es gibt wissenschaftlich anerkannte Methoden, um eingeschränkte Sehfunktionen gezielt zu verbessern. Eine davon ist das optometrische Sehfunktionstraining (OSFT).

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Raum (Vision Therapy), hält aber seit einigen Jahren auch im deutschsprachigen Raum insbesondere in Deutschland berechtigt Einzug.

Der entscheidende Unterschied zu allen Brillenfrei-Ansätzen ist fundamental:

👉 Vor jedem Training steht eine medizinisch-optometrische Untersuchung.

Wir messen und bewerten:

  • Sehschärfe
  • Augenstellung
  • Augenbewegungen
  • Zusammenarbeit beider Augen
  • Symptome und deren Ursachen

Erst danach wird entschieden, ob ein Training sinnvoll ist und welches.

Ursache statt Gießkanne

Viele Sehprobleme entstehen nicht, weil „die Augen zu wenig trainiert“ sind, sondern weil Funktionsstörungen vorliegen.

Ein klassisches Beispiel heute extrem häufig bei Kindern und Erwachsenen ist die Konvergenzinsuffizienz: eine Störung der Zusammenarbeit der Augenmuskulatur in der Nähe.

👉 Diese lässt sich nachweislich wirksam mit optometrischem Sehfunktionstraining behandeln.

Ganz anders verhält es sich bei Kurzsichtigkeit (Myopie).
Hier liegt in vielen Fällen ein Baulängenfehler vor: Das Auge ist anatomisch zu lang gewachsen.

Und das muss man klar sagen:
Mit keiner Übung dieser Welt lässt sich ein zu lang gewachsenes Auge wieder verkürzen.

Alles andere ist Wunschdenken oder Irreführung.

Wissenschaftliche Einordnung

Das optometrische Sehfunktionstraining wird unter anderem vom Zentralverband der Deutschen Augenoptiker (Kapitel 5) als reguläre und seriöse Methode beschrieben und gehört klar in den Aufgabenbereich der Optometrie. Es ist wissenschaftlich fundiert und wird weltweit angewendet.

Begriffe wie:

  • Sehtraining
  • Funktionstraining
  • Funktionaloptometrie

sind hingegen unscharf definiert, nicht geschützt und bis heute nicht einheitlich wissenschaftlich belegt.

Das bedeutet nicht, dass einzelne Übungen unsinnig sind. Viele wirken entspannend und Entspannung ist immer sinnvoll.

Aber:
👉 Entspannung ersetzt keine Diagnostik
👉 Übungen ersetzen keine Korrektur
👉 Training ersetzt keine Anatomie

Zur Brillenfrei-Versprechung

Die Idee, eine korrekt verordnete Brille wegzutrainieren, ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Ja, es gibt Einzelfälle, in denen Menschen nach Übungen das Gefühl haben, keine Brille mehr zu benötigen. In diesen Fällen war die Brille häufig von Anfang an überflüssig oder falsch verordnet.

Das ist kein Erfolg des Trainings sondern ein Hinweis auf eine vorherige Fehldiagnose.

Mein offenes Angebot

Ich biete jedem sogenannten Brillenfrei-Anbieter ausdrücklich an:

  • seine Kundinnen und Kunden vor Beginn eines Trainings optometrisch untersuchen zu lassen
  • Sehqualität, Funktion und Stärke objektiv messen zu lassen

Danach kann gerne trainiert werden.

Und sollte es jemandem gelingen, eine korrekt verordnete Brille mit mehr als –2,00 dpt
dauerhaft, stabil und messbar überflüssig zu machen, bin ich der Erste, der sich öffentlich entschuldigt.

Bis heute ist mir trotz mehrfacher Kontaktaufnahme kein Anbieter begegnet, der sich auf diesen fachlichen Dialog eingelassen hätte.

AUGENFITNESS ist klar abgegrenzt

Mein Ansatz AUGENFITNESS orientiert sich zu 100 % am optometrischen Sehfunktionstraining, ergänzt um:

  • Ernährung (Nährstoffversorgung der Augen)
  • Verhalten (Licht, Bildschirm, visuelle Gewohnheiten)

Wir trainieren nicht blind drauflos,
sondern optimieren die Bedingungen, damit Augen gar nicht erst ins Strugglen kommen.

Augenfitness ist keine Brillenfrei-Ideologie.
Augenfitness ist:

  • evidenzbasiert
  • medizinisch unterstützt
  • individuell

Und dient dem Erhalt, der Verbesserung und der Stabilisierung von Sehqualität im Alltag.

Alles andere ist Marketing nicht Medizin.

LG
Ralf C. Jann
dein AUGENFITNESS-Experte 👁️✨

#Augenfitness #Gesundheit #achtsamkeit #artgerecht